Beitrag: Bochumer Lokalpolitik zwischen Friedensdebatte, Baustellen-Management und Platzgestaltung
EuropaForum

(c) Julian Kendziora

Ob europäische Sicherheitsarchitektur im Thalia-Buchhandel, ein überfraktioneller Vorstoß für schnellere Baustellen im Stadtrat oder der Unmut über fehlende Sitzbänke am Kunstmuseum: In Bochum wird derzeit intensiv über gesellschaftliche Verantwortung, urbane Aufenthaltsqualität und funktionierende Infrastruktur debattiert.

EuropaForum der CDA: Debatte über Friedensethik und Wehrhaftigkeit

Unter der Leitfrage „Was ist uns der Frieden wert?“ füllten rund 100 Gäste die Räumlichkeiten der Buchhandlung Thalia Mayersche in der Bochumer City. Das EuropaForum der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Bochum brachte an diesem Abend zwei streitbare Stimmen zusammen: den Theologen, Publizisten und Buchautor Stephan Anpalagan sowie den Bochumer CDU-Europaabgeordneten und CDA-Bundesvorsitzenden Dennis Radtke (EVP-Fraktion).

Ausgangspunkt des lebhaften Diskurses war Anpalagans aktuelles Buch „Für den Frieden – Widerruf meiner Kriegsdienstverweigerung“. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine beleuchteten Anpalagan und Radtke die Neuausrichtung europäischer Friedenskonzepte. Im Fokus stand die Frage, wie Europa militärisch und sicherheitspolitisch eigenständiger agieren kann.

Die Kernpunkte des Abends:

  • Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung: Einigkeit herrschte darüber, dass Friedenspolitik nicht bei reinem Pazifismus oder bloßen Hoffnungen stehenbleiben dürfe, sondern klare Antworten auf reale Bedrohungen liefern müsse.

  • Wehrpflicht und Solidarität: Diskutiert wurden konkrete Modelle für die Landes- und Bündnisverteidigung, die anhaltende Unterstützung der Ukraine sowie die gesamtgesellschaftliche Verantwortung gegenüber der jungen Generation.

  • Bürgerdialog: Eröffnet von CDA-Kreisvorsitzendem Christian Herker, leitete die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Felicitas Arndt die anschließende Fragerunde mit dem Publikum, an der unter anderem auch CDU-Landtagskandidatin Sabine Radandt-Beckmann teilnahm.

Das Resümee der Veranstaltung: Frieden und Freiheit sind keine garantierten Selbstläufer, sondern bedingen eine wehrhafte Demokratie und eine Politik, die handlungsfähig bleibt.

Ratsantrag für schnellere Baustellen: Mehrschichtbetrieb, Boni und Vollsperrungen

Deutlich pragmatischer, aber nicht minder emotional geht es auf kommunaler Ebene um das Verkehrsnetz: Die CDU-Ratsfraktion zieht gemeinsam mit den Ratsgruppen FDP-UWG: WAT und UWG Freie Bürger mit einer gemeinsamen Initiative in die Stadtratssitzung am 12. November 2026. Das Ziel: ein verbindlicher Maßnahmenkatalog zur Beschleunigung von Straßen- und Tiefbaumaßnahmen.

„Lange Bauzeiten und wiederholte Sperrungen belasten die Menschen in unserer Stadt. Wir fordern deswegen einen verbindlichen Maßnahmenkatalog“, erklärt CDU-Ratsfraktionschef Karsten Herlitz. Dr. Stefan Jox, verkehrspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, verweist auf funktionierende Modelle anderer Kommunen: „Mehrschichtbetrieb und das Arbeiten in den Abendstunden oder in der Nacht könnten im Einzelfall Wochen bis Monate einsparen. Wir sollten auch über Bonusregelungen nachdenken, wenn Arbeiten deutlich vor der Deadline abgeschlossen sind.“

Zudem plädiert das Bündnis für eine systematische Prüfung von gezielten Vollsperrungen, da diese die Gesamtdauer vieler Projekte drastisch verkürzen könnten. Ein Dorn im Auge ist der Opposition zudem mangelnde Koordination: An der Wielandstraße, die erst im Vorjahr für die Veloroute 1 aufwendig umgebaut worden war, wird nun erneut monatelang für Fernwärmeleitungen gegraben. Solche doppelten Baustellen gelte es durch engere Abstimmung künftig zwingend zu verhindern.

Kritik am Elisabeth-Treskow-Platz: Fehlende Bänke und „gähnende Leere“

Gleichzeitig formiert sich im Stadtbezirk Mitte Kritik an der städtebaulichen Gestaltung rund um das Kunstmuseum. Jens Lücking, Fraktionsvorsitzender der UWG Freie Bürger, bemängelt in einer Stellungnahme die Aufenthaltsqualität vor der Villa Marckhoff und auf dem neu benannten Elisabeth-Treskow-Platz scharf.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten seien die einstigen Ruhebänke auf dem Fußweg zwischen Kortumstraße und Goethestraße ersatzlos abgebaut worden. Ähnlich stelle sich die Lage zwischen Villa Nora und dem Kreuzungsbereich Kortumstraße/Bergstraße dar:

  • Skurriler Kontrast: Während auf der Dreieckswiese vor der Villa Marckhoff eine sitzende Skulpturengruppe stehe, fehle Passantinnen und Passanten jede Möglichkeit, sich bequem niederzulassen.

  • Notbehelf statt Aufenthaltsqualität: Wo früher Bänke und drei Brunnen zum Verweilen einluden, fänden sich heute lediglich vier auf Mauern montierte Holzbohlen.

  • Barrierefreiheit ignoriert: Insbesondere für ältere Bürger, mobilitätseingeschränkte Menschen oder Einkaufende auf dem Weg in die City seien verlässliche Sitzgelegenheiten kein Luxus, sondern funktionale Notwendigkeit.

Zudem lasse das Areal des Elisabeth-Treskow-Platzes bis heute ein schlüssiges Konzept vermissen. Lücking fordert die Verwaltung auf zu klären, ob die großzügige, bislang aber völlig ungenutzte Freifläche dauerhaft so verbleiben soll oder ob zeitnah Maßnahmen zur Belebung und Möblierung ergriffen werden.

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