Beitrag: „Auf den Spuren von Erich Gottschalk“: Erinnerungsgang würdigt Bochumer Fußballmeister
Erich-Gottschalk-Platz

Eröffnung des Erich-Gottschalk-Platzes in Bochum am 26.06.2025. +++ Foto: Lutz Leitmann/Stadt Bochum

Im Vorfeld des Gedenkens an die Pogromnacht von 1938 zeichnet ein 90-minütiger Rundgang das Schicksal von Erich Gottschalk nach. Der Kapitän führte 1938 die bislang einzige Bochumer Meistermannschaft an.

Wenige Tage vor dem Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 laden das Fanprojekt Bochum in Trägerschaft der AWO Ruhr-Mitte, das Jugendamt der Stadt Bochum, der Freundeskreis Synagoge Bochum-Herne-Hattingen sowie der VfL Bochum 1848 und die Jüdische Gemeinde zu einem besonderen historischen Spaziergang ein. Unter dem Titel „Auf den Spuren von Erich Gottschalk – 90 Minuten Erinnerung“ widmet sich das Format der bewegenden Biografie eines herausragenden Bochumer Sportlers, der eng mit der lokalen Fußballgeschichte und dem Terror der nationalsozialistischen Verfolgung verknüpft ist. Der Rundgang ist Teil des vom Kinder- und Jugendring Bochum e. V. koordinierten Programms zum 88. Jahrestag der Reichspogromnacht.

Sieben Stationen durch die Stadtgeschichte bis zur Neuen Synagoge

Der Erinnerungsspaziergang beginnt am Montag, 2. November 2026, um 15:30 Uhr am ehemaligen Wohnhaus der Familie Gottschalk in der Luisenstraße 15. An insgesamt sieben historischen Stationen – darunter der Willy-Brandt-Platz, die Goethe-Schule und der Erich-Gottschalk-Platz an der Castroper Straße – beleuchten verschiedene Bochumer Persönlichkeiten die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945. Neben der historischen Aufarbeitung des NS-Terrors und der Schoa schlagen die Beiträge bewusst den Bogen zur Gegenwart, um vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit für die heutige demokratische Grundordnung zu warnen. Den Schlusspunkt bildet die Neue Synagoge, an der Paul van de Vooren, ein Neffe Erich Gottschalks, mit einem Redebeitrag den Rundgang beschließt, gefolgt von einer offenen Begegnung für alle Teilnehmenden.

Einzelschicksal zwischen sportlichem Triumph und Schoa

Die Tour zeichnet Gottschalks Lebensweg facettenreich nach: von seiner Schulzeit in Bochum über seine sportlichen Anfänge in der Jugend des TuS Bochum bis hin zu den Stationen beim jüdischen Verein Hakoah Bochum, der später durch das Regime zwangsweise in Schild Bochum umbenannt wurde. Als Kapitän dieser Elf errang Gottschalk am 26. Juni 1938 den letzten deutschen Meistertitel im Sportbund Schild – ein Erfolg, der ihn und seine Mitspieler bis heute zur einzigen Bochumer Fußballmannschaft macht, die je eine deutsche Meisterschaft feiern konnte. Während Erich Gottschalk das Grauen der Vernichtungslager überlebte, wurden seine Ehefrau Rosa und die gemeinsame Tochter Renée im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Die Führung verbindet das Gedenken an die sportliche Leistung mit dem Mitgefühl für den Familienmenschen und setzt ein deutliches Zeichen für Freiheit, Frieden und Humanität.

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