
Demo Gegen Rechts
(c) Jens Matheuszik
Rund 500 Menschen demonstrieren vor SPD-Parteitag in Bochum
Ein weithin sichtbares Zeichen für den Schutz der demokratischen Grundordnung: Rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – so die Schätzungen der Polizei am Rande der Kundgebung – sind am Samstagvormittag, 10. Oktober 2026, durch die Bochumer Innenstadt gezogen, um für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Zu dem Protestmarsch hatte die Bochumer SPD aufgerufen, die die Demonstration unmittelbar vor ihren ordentlichen Parteitag im Jahrhunderthaus schaltete.
Der Aufruf verstand sich bewusst als überparteiliches Signal an die gesamte Stadtgesellschaft. Neben SPD-Mitgliedern und Parteitagsdelegierten beteiligten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Initiativen wie das „Bochumer Bündnis gegen Rechts“, das unter anderem für das Anliegen „Parlamente nazifrei“ warb. Formiert hinter einem großen Banner mit der Aufschrift „Bochum zusammen gegen Rechts“, führte die Route vom Fritz-Husemann-Haus über den Husemannplatz und die Viktoriastraße weiter zum Dr.-Ruer-Platz bis zum Jahrhunderthaus. Bei der Zwischenkundgebung auf dem Husemannplatz richtete unter anderem die erste Bürgermeisterin Martina Schnell klare Worte an die Versammelten.
Anlass Sachsen-Anhalt: Yüksel fordert Taten statt Lippenbekenntnisse
Konkreter Auslöser für die Mobilisierung auf der Straße war die jüngste Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Die Bochumer Sozialdemokraten stellten in diesem Kontext die Glaubwürdigkeit der von der CDU postulierten „Brandmauer“ nach rechts offen infrage.
Der Bochumer SPD-Vorsitzende Serdar Yüksel begründete die Initiative damit, dass man nach den bundespolitischen Vorgängen keinesfalls einfach zur Tagesordnung übergehen dürfe. „Wenn Grenzen gegenüber Rechtsextremen verschoben werden, braucht es eine sichtbare Antwort der Demokratinnen und Demokraten“, stellte Yüksel klar. Demokratische Standfestigkeit dürfe keine Floskel sein, sondern müsse sich im parlamentarischen Handeln, bei konkreten Abstimmungen und bei der Vergabe institutioneller Spitzenämter beweisen.
Gedenken und Mahnung am Ort der ehemaligen Synagoge
Eine bewusste historische Zäsur setzte der Demonstrationszug mit dem Halt in unmittelbarer Nähe des Standortes der früheren Bochumer Synagoge. Damit verknüpften die Initiatoren das Gedenken an Verfolgung und antisemitische Gräueltaten während der NS-Diktatur mit einem klaren Auftrag für das Hier und Jetzt.
Die historische Verantwortung verlange, dass das Versprechen „Nie wieder“ mit Leben gefüllt werde – gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Kräfte in Parlamenten und Gesellschaft zunehmend an Einfluss gewinnen. Statt in Resignation oder Ohnmacht zu verharren, forderte das Bündnis dazu auf, demokratische Institutionen aktiv zu stützen und entschlossen für eine vielfältige, freie Gesellschaft einzustehen.





