
Abschied – Heimkehrer-Dankeskirche
(c) Sebastian Becker
Ein emotionaler Schnitt für die Gemeinde und ein bedeutendes Stück Bochumer Nachkriegsgeschichte im Wandel
Mit dem Verlöschen des Ewigen Lichts und einer feierlichen Abschiedsliturgie wurde die Entwidmung der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar vollzogen. Für viele Gemeindemitglieder, die hier von der Taufe über die Erstkommunion bis zur Firmung ihr ganzes Leben verwurzelt waren, ein schmerzhafter Schritt. Doch der Abschied markiert zugleich den Aufbruch in ein durchdachtes Nachnutzungskonzept, das soziales Leben und historische Erinnerungskultur miteinander verbindet.
Das denkmalgeschützte Gotteshaus soll im oberen Kirchenraum zu einer Kindertagesstätte umgebaut werden – eine Lösung, die das kirchliche Leben auch künftig im Viertel verankert. Das zentrale Herzensanliegen der Pfarreigremien, des Fördervereins sowie des Vereins Kriegsheimkehrer-Mahnmal e. V. konnte dabei gesichert werden: Die international bedeutsame Gedenkstätte für Frieden und Versöhnung im Untergeschoss bleibt dauerhaft bestehen.
Sakraler Rückzugsort und Museum in der Krypta
Die unter Denkmalschutz stehende Krypta wird künftig eine doppelte Funktion erfüllen. Sie dient weiterhin als zeithistorisches Museum und bleibt zugleich ein geweihter liturgischer Ort. Eine Altarplatte mit den eingelassenen Reliquien wird bewahrt, sodass Gläubigen auch künftig ein stiller Raum für Gebet und Andacht offensteht.
Das museale Konzept der Gedenkstätte hatte bereits in den Jahren 2016/2017 mit maßgeblicher Unterstützung durch Spendengelder eine tiefgreifende wissenschaftliche Neugestaltung erfahren. Während früher unzählige Votivgaben der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Soldaten dicht an dicht in Vitrinen lagen, konzentriert sich die moderne Dauerausstellung auf besonders aussagekräftige Exponate. Dieser kuratorische Aufbau bleibt im Wesentlichen erhalten. Ergänzungen sind im Bereich des neuen Anbaus geplant: Ein vorgelagerter Kubus soll künftig nicht nur den Zugang zur Krypta neu ordnen, sondern im oberen Bereich auch neue Begegnungsräume für die Gemeindearbeit beherbergen.
Baulicher Spagat: Denkmalauflagen und „Haus-im-Haus“-Konzept
Die bauliche Umsetzung im denkmalgeschützten Innenraum stellt Architekten und Investoren vor komplexe Aufgaben, die an ähnliche Umnutzungsprojekte wie das Bochumer Lutherlab erinnern:
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Vollständige Rückbaubarkeit: Da der Ensembleschutz bis in den Altarraum und an die markanten Portaltüren reicht, wird der Kita-Ausbau als reversible mehrgeschossige Holzkonstruktion („Haus-im-Haus“) realisiert. Sämtliche Einbauten müssen sich bei Bedarf spurlos wieder entfernen lassen.
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Separater Zugang: Um den Kita-Betrieb und den Museumsbesuch zu trennen, wird der Haupteingang für die Kindertagesstätte künftig voraussichtlich seitlich über den Bereich der bisherigen Sakristei geführt.
Zeitplan: Wiedereröffnung für 2028 anvisiert
Während aktuell die Bauvoranfragen sowie Detailabstimmungen mit Bauaufsicht und Denkmalbehörden laufen, peilt der Investor eine Fertigstellung bis zum Jahr 2028 an. Beobachter und Gemeindevertreter werten diesen Zeithorizont angesichts der hohen denkmalrechtlichen Hürden als ambitioniert.
Fest steht: Bis zum Abschluss der Hochbauarbeiten muss die Krypta aus Sicherheits- und Logistikgründen vollständig geräumt werden und bleibt für die Öffentlichkeit vorübergehend geschlossen. Erst nach Fertigstellung des Ensembles wird der Gedenk- und Gebetsraum in seiner neuen Fassung wieder für Besucherinnen und Besucher zugänglich sein.
