Beitrag: Neues Millionenprojekt „DAISY“ an der Ruhr-Universität Bochum gestartet
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Ruhr Universität Bochum

KI in Unternehmen sicher nutzen

Ob im Handwerksbetrieb im Bochumer Norden, im mittelständischen Dienstleistungssektor im Ehrenfeld oder in den großen Industrieunternehmen des Ruhrgebiets: An Künstlicher Intelligenz führt im modernen Arbeitsalltag längst kein Weg mehr vorbei. Doch während kommerzielle Tools wie ChatGPT und Copilot Protokolle im Sekundentakt tippen oder Kundenvorgänge automatisieren, wächst im Hintergrund eine heikle Sorge: Wo landen eigentlich die internen Daten, wenn sie erst einmal auf fremden Servern liegen? Genau hier setzt das neue Verbundprojekt DAISY an, das unter Federführung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an den Start gegangen ist.

Spitzenforschung aus dem Revier: Was hinter dem Projekt DAISY steckt

Unternehmen, die keine eigene Serverinfrastruktur für hauseigene Modelle betreiben, greifen notgedrungen auf Drittanbieter zurück. Doch welche Spuren vertrauliche Verträge oder Personaldaten dort hinterlassen, bleibt meist eine Blackbox. Das Verbundprojekt DAISY (Datensicherheit und verantwortungsvolle KI) nimmt genau dieses Problem ins Visier.
Geleitet wird das Vorhaben von Dr. Steffen Becker am Research Center Trustworthy Data Science and Security an der Ruhr-Universität Bochum. Zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Nachbaruniversitäten Duisburg-Essen und Witten/Herdecke bündelt das Projekt die interdisziplinäre Schlagkraft der Universitätsallianz Ruhr.
Gefördert wird die Initiative ab September 2026 für drei Jahre mit insgesamt 1,29 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderlinie „Plattform Privatheit“. Der entscheidende Vorteil für Betriebe im Revier und darüber hinaus: Sämtliche Resultate, Leitfäden und Tools werden nach Projektabschluss frei und öffentlich zugänglich gemacht.

Effizienz vs. Datenschutz: Wo liegen die Gefahren für Betriebe?

„In vielen Unternehmen schlummern wertvolle Daten, die bislang kaum jemand systematisch nutzen konnte. Künstliche Intelligenz ändert das gerade grundlegend“, erläutert Becker die Ausgangslage.
Im Betriebsalltag greift die KI auf sensible Bereiche zu:
  • Kundenservice: Schnelle, automatisierte Bearbeitung von Kundenanfragen mit echtem Personenbezug.
  • Verwaltung: Zusammenfassungen von vertraulichen Verträgen und internen Memos.
  • Personalwesen: Protokollierung von internen Meetings, Mitarbeitergesprächen und Leistungsberichten.
Dabei entsteht ein ständiger Drahtseilakt: Betriebe wollen die enorme Effizienzsteigerung nutzen, dürfen aber zugleich den Schutz interner Betriebsgeheimnisse und DSGVO-Vorgaben nicht aufs Spiel setzen.

Technische Filter und Praxislösungen direkt aus Bochum

Um Unternehmen konkrete Schutzmechanismen an die Hand zu geben, analysiert das Bochumer Team reale Use Cases direkt vor Ort in den Betrieben. Becker betont: „Was mit den Daten geschieht, sobald sie an einen KI-Dienst übermittelt sind, lässt sich von außen kaum vollständig nachvollziehen.“
Ziel ist es daher, Sicherheitsbarrieren direkt am Arbeitsplatz zu etablieren:
  • Datenschutzrisiko-Check: Systematische Prüfung gängiger kommerzieller Anbieter auf Datenlecks und Speichergewohnheiten.
  • Intelligente Filter: Softwarelösungen, die sensible Daten (z. B. IBANs, Namen, geheime Kennzahlen) in Textentwürfen identifizieren, bevor sie das Firmennetzwerk verlassen.
  • Präventive Warnsysteme: Warnmeldungen oder automatisches Blockieren, sobald Mitarbeitende unbemerkt vertrauliche Dokumente in Prompts einfügen.

Der Mensch im Fokus: Psychologie, Betriebsrat und KI-Recht

Ein technischer Schutzfilter allein reicht nicht aus – Sicherheit beginnt in den Köpfen der Belegschaft. DAISY betrachtet den KI-Einsatz daher ganzheitlich:
Forschungsbereich Zuständige Hochschule Schwerpunkt & Praxisnutzen
Technik & IT-Sicherheit Ruhr-Universität Bochum Entwicklung von Filtern und Schutzwerkzeugen gegen Datenabfluss
Organisationspsychologie Universität Witten/Herdecke Analyse von Führungsmethoden, Betriebsvereinbarungen und Betriebsratsentscheidungen
Individualpsychologie Universität Duisburg-Essen Untersuchung von Fehlannahmen der Beschäftigten; Entwicklung gezielter Schulungsformate
Rechtliche Einordnung Gesamtverbund (Gutachten) Abstimmung von Datenschutz, Arbeitsrecht und der europäischen KI-Verordnung
Das Projekt soll aufzeigen, wie Beschäftigte das richtige Maß zwischen gesundem Misstrauen und produktiver KI-Nutzung finden. So entsteht am Technologiestandort Bochum ein handfester Leitfaden für Führungskräfte, Belegschaften und Betriebsräte, um die KI-Revolution rechtssicher und verantwortungsvoll zu meistern.

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