Beitrag: Die Welt steht Kopf: Bogestra-Jubiläumsbus wird zur fahrenden Camera Obscura
Camera Obscura vor der Jahrhunderthalle

(c) Sebastian Sendlak

Optische Illusion auf Rädern: Zum 130. Firmenjubiläum verwandelte die Bogestra einen Gelenkbus in ein begehbares Kunstwerk. Künstler Ole-Kristian Heyer ließ das Ruhrgebiet an ungewohnten Orten kopfüber erstrahlen.

Ein Linienbus als analoger Kinosaal und meditative Oase: Am Wochenende des 5. und 6. September lud die Bogestra anlässlich ihres 130-jährigen Bestehens zu einem außergewöhnlichen Kunstexperiment ein. Unter dem Motto „Kunst in Fahrt“ kooperierte das Verkehrsunternehmen mit dem freischaffenden Künstler, Fotografen und Stadtentwickler Ole-Kristian Heyer. Ein Teil des Jubiläums-Gelenkbusses wurde dafür vollständig abgedunkelt und in eine begehbare Camera Obscura verwandelt. An beiden Tagen starteten insgesamt vier Sonderfahrten ab der Haltestelle August-Bebel-Platz in Wattenscheid zu markanten Zielen in Bochum und Gelsenkirchen, an denen im Alltag üblicherweise kein Bus anzutreffen ist. Dank des sonnigen Spätsommerwetters funktionierte das optische Prinzip reibungslos – bei bedecktem Himmel oder Regen wären die scharfen Projektionen physikalisch nicht möglich gewesen.

2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
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2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
2026_09_06 Camera Obscura im Bus
2026_09_06 Camera Obscura im Bus der Bogestra
Fotos: Sebastian Sendlak

Physikalische Magie statt digitaler Bilderschwemme

Das Grundprinzip der Lochkamera überraschte die Teilnehmenden im Businneren: Durch eine kleine Öffnung fiel das Tageslicht in den abgedunkelten Raum und projizierte die Umgebung seitenverkehrt und kopfüber direkt auf die Innenwände des Fahrzeugs. Ole-Kristian Heyer, der in Gelsenkirchen lebt und arbeitet und ein Atelier im soziokulturellen Kunsthaus „Makroskop“ in Mülheim an der Ruhr führt, versteht das Projekt als bewussten Kontrapunkt zum heutigen Medienkonsum. Während Menschen im Alltag ununterbrochen isoliert auf kleine Smartphone-Displays blicken, eröffnete der Bus einen geschützten Raum des gemeinsamen Sehens.

Die Idee zur Kooperation reifte bereits im vergangenen Jahr. Beim Gelsenkirchener Stadtjubiläum 2025 und dem Kulturformat „Kunstspur“ hatte Heyer bereits eine stationäre Camera Obscura in einem Ückendorfer Ladenlokal installiert. Die ursprüngliche Vision, eine fahrende Straßenbahn zu nutzen, scheiterte damals an sicherheitstechnischen Vorgaben. Zum 130. Firmenjubiläum griff die Bogestra den Faden wieder auf und stellte einen modernen Gelenkbus für das Experiment zur Verfügung.

Dialog und Bildkompetenz im geschützten Raum

Für Heyer steht neben der Faszination der reinen Physik vor allem die Entschleunigung im Mittelpunkt. In der Dunkelheit der rollenden Dunkelkammer entstand rasch eine vertrauensvolle, fast meditative Atmosphäre, in der wildfremde Fahrgäste miteinander ins Gespräch kamen. Diskutiert wurde über Bildwirkung, Sehgewohnheiten und die Frage, wie visuelle Eindrücke unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit prägen. Da das Bild ohne Sensoren, Linsen oder digitale Bearbeitung entsteht, verdeutlichte die Aktion, dass optische Phänomene unabhängig von menschlicher Technik existieren.

Der Künstler zog nach den Touren ein durchweg positives Fazit. Die intensive Neugier und die lebhaften Fachsimpeleien über Bildgestaltung machten die Sonderfahrten zu einem eindrücklichen Erlebnis abseits des regulären Nahverkehrsalltags. Die Bogestra unterstrich mit der Aktion, dass 130 Jahre Nahverkehrsgeschichte im Revier auch Raum für kreative Perspektivwechsel bieten.

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