
Kriegsgräberstätte Bochum
(c) Sebastian Sendlak
In Bochum und Herne existieren 46 Kriegsgräberstätten, auf denen fast 10.000 Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Um die individuellen Schicksale hinter den Grabsteinen im kollektiven Gedächtnis zu bewahren und ein starkes Zeichen für den Frieden zu setzen, laden die Stadt Bochum sowie die Kreisverbände Bochum und Herne des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. am Donnerstag, den 3. September 2026, zu einem gemeinsamen Gedenk- und Informationsrundgang ein.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Aktionsmonats „Monat des Kriegsgrabes“ unter der landesweiten Reihe „Ge(h)denken“ statt und beginnt um 17:00 Uhr an der Trauerhalle des Kommunalfriedhofs Bochum-Gerthe an der Kirchharpener Straße 63.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Rundgangs steht die historisch bedeutsame, aber weniger bekannte Gräberanlage in Gerthe. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass dort Opfer des nationalsozialistischen Terrors, von Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft sowie zivile Bombenopfer Seite an Seite begraben liegen. Die Grabsteine spiegeln bewegende lokale Einzelschicksale wider: Sie erzählen unter anderem vom Schicksal des Gerther KPD-Gemeinderats Heinrich Fischer, der bereits 1933 von der SA im berüchtigten Blutkeller der Hegelschule zu Tode gefoltert wurde, von der 13-jährigen Schülerin Marianne Rzeznik, die im April 1943 nach einem Luftangriff durch einen Blindgänger starb, und vom polnischen Zwangsarbeiter Leon Lewandowski, der kurz vor Kriegsende im April 1945 im Lager Heinrichstraße erschlagen aufgefunden wurde.
Fachlich begleitet wird der Rundgang von Dr. Kai Rawe, Leiter des Bochumer Zentrums für Stadtgeschichte, sowie Ulrich Kind vom Geschichtsprojekt „Kohlengräberland“. Sie stellen die Bedeutung der Kriegsgräber für die kommunale Erinnerungsarbeit vor und bringen den Teilnehmenden die Biografien der Verfolgten und Getöteten direkt an den Gräbern näher. Oberbürgermeister Jörg Lukat wird die Veranstaltung persönlich begleiten und die Bochumer Erinnerungskultur in einem einleitenden Grußwort würdigen. Die Initiatoren um Carina Gödecke und Kai Gera vom Volksbund sowie die Stadtspitze laden alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, an diesem Rundgang gegen das Vergessen teilzunehmen.
