Beitrag: Helen Brandt holt Medaillen bei FEI WM in Aachen
Helen Brandt mit Vulkan Vegas IB bei den FEI World Championships in Aachen.

Foto: Jenny Musall

In den vergangenen zwei Wochen haben die FEI World Championships in Aachen stattgefunden. Dafür sind die besten Reiter aus der ganzen Welt angereist. Eine von ihnen ist Helen Brandt, die für den RFZ Bochum-Nord startet. In der Para-Dressur hat sich die 27-Jährige neben Mannschaftssilber auch Kür-Bronze geholt.

Für mich war es ein Highlight, hierhinzukommen. Ich habe mir keine Prozente in den Kopf gesetzt. Ich habe mir keine Medaille in den Kopf gesetzt„, sagt Helen Brandt über ihre Ritte der Para-Dressurreiter bei den FEI World Championships in Aachen. Und doch ist es anders gekommen, als die 27-Jährige gedacht hat. Ihr eigentliches Ziel ist es gewesen, dass sie und Vulkan Vegas IB zufrieden aus dem Viereck kommen. Trotzdem ist die Atmosphäre ein Faktor, der nicht einfach ist, da die Pferde trotz des weitläufigen Geländes auch die Geräusche in den anderen Stadien wahrnehmen oder generell angespannt sind, weil sie die Situation vor Ort nicht kennen.

Leistung und Ergebnisse der Para-Dressur bei der Reit-WM 2026 in Aachen

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Pferde von dieser Kulisse beeindruckt und aufgeregt sind. „Ich glaube, heute war es tatsächlich Vulkan Vegas. Der war schon auf dem Abbreiteplatz, gut on fire. Er hat einmal gezeigt: ‚Hier bin ich, ich habe Power‘, und war dann doch aber leider ein bisschen zu müde davon und war dann auch noch ziemlich beeindruckt von der Kulisse. Und dann merkt man einfach, dass wir da noch einen Weg finden müssen, wie wir das in Zukunft besser gemanagt bekommen“, sagt Brandt. Zwar ist das kein großes Problem für die junge Reiterin, die in diesem Sommer ebenfalls bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Longines Balve Optimum die Vizemeisterschaft mit Vulkan Vegas IB geholt hat.

Trotzdem hat es nach der ersten Runde mit 70,028 % für eine Platzierung auf dem achten Rang in der ersten Wertungsrunde gereicht. Bei der Mannschaftskür konnte sich das Paar noch einmal steigern und mit 73,297 % den vierten Rang im Grade IV sichern. Zwar ist dieses Ergebnis das Streichergebnis der deutschen Mannschaft, bestehend aus Anna-Lena Niehues (Grade IV), Regine Mispelkamp (Grade V) und Heidemarie Dresing (Grade II) gewesen, aber es hat dafür gereicht, dass Brandt dennoch einen der acht Startplätze pro Grade für die Kür ergattern konnte. Als zweite Starterin hat die Medizinstudierende mit 78,005 % vorgelegt und hat lange Zeit auf Rang zwei gelegen. Am Ende wird es Bronze.

Partnerschaft mit Vulkan Vegas IB und starker Halt beim RFZ Bochum-Nord

Entsprechend ist die Reiterin des RFZ Bochum Nord dankbar und stolz auf ihren „Willi“ (Anmerkung der Redaktion: Stallname von Vulkan Vegas IB): „Er ist mein absolutes Herzenspferd. Er hat alles für mich gegeben“, schwärmt Brandt von dem gerade einmal acht Jahre alten Vitalis-Nachkommen. Musikalisch gesehen ist die Kür rockig gewesen. „‚I was made for loving you‘ das beschreibt uns ganz gut“, schmunzelt Brandt, die die Kür erst zum zweiten Mal in Grade IV geritten ist. In diesem Grade ist Brandt aufgrund einer Autoimmunerkrankung eingestuft, die dafür gesorgt hat, dass Laufen nicht mehr möglich war. Ihr Bein war gelähmt. Heute kann sie wieder laufen, benötigt aber einen Sensor am Unterschenkel, der ihr ein einigermaßen normales Gangbild ermöglicht.

Der Sport hilft ihr, da beim Reiten Muskelgruppen angesprochen werden, die sonst verkümmern. „Manche Dinge, Muskelgruppen, werden auch anders aktiviert beim Reiten, die du aktiv so gar nicht ansteuern kannst. Das ist auch einfach der Punkt. Ich reite, seitdem ich fünf bin“, beschreibt Brandt die Automatismen im Körper, die sie nicht steuern kann. Trotzdem hat das Reiten ihr geholfen, das eigene Körpergefühl wiederzufinden. Daher ist die Rückkehr in den Sattel für die Dortmunderin lediglich eine Frage der Zeit gewesen.

Ihre Pferde helfen also dabei. Stute Federweiß hat sie sich selbst für den Para-Sport ausgebildet, „Willi“ nicht. „Der war ja schon weiter ausgebildet, aber Regelsport ausgebildet“, sagt Brandt. Entsprechend musste das Pferd lernen, dass vom linken Bein nichts kommt, sondern dass es einfach da ist und nichts macht. „Das hat schon ein Dreivierteljahr gedauert, bis er verstehen konnte: ‚Was will die da oben eigentlich von mir?'“ Laut Brandt ist der Wallach sehr sensibel und hat es dann auch schnell umgesetzt.

Helen Brandts Ziel sind die Paralympics in LA 2028

Auch im Regelsport ist Brandt unterwegs. Hier ist sie viele Jahre selbst Championate geritten und auch als Gast auf dem Gelände des RFZ Bochum Nord gewesen. „Ich fand es immer super schön in Bochum. Die Menschen im Verein sind supernett und unterstützen einen.“ In diesem Jahr ist sie ebenfalls dort ein Turnier im Regelsport geritten. Den Verantwortlichen ist bekannt gewesen, dass sie auch im Para-Sport reitet. „Es wurde nachgefragt und sich interessiert. Und auch Herrmann (Hermann Dietrich Erver, 1. Vorsitzender des RFZV, Anmerkung der Redaktion) hat gesagt, er findet es toll, dass wir auch im Regelsport so aktiv sind.“ Ein weiterer Schnittpunkt zum Verein ist ihre Trainerin, die seit mehr als 20 Jahren Mitglied in dem Verein ist.

Durch diese positiven Kontaktpunkte ist dann die Frage aufgekommen, ob die ausgebildete Krankenschwester auch noch mitten in der Saison wechseln könne. „Und da sagte er (Herrmann Dietrich Ever, Anmerkung der Redaktion): ‚Klar, wenn du das gerne möchtest, ist das gar kein Thema. Das können wir gerne machen.'“ So freut sich Helen über die Unterstützung des Vereins und auch darüber, dass der Para-Sport immer mehr nach außen getragen wird. Das nächste Ziel, auf das Helen hinarbeitet, sind daher die Paralympics in Los Angeles, USA, 2028. Auch Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer ist sich bei Helen und ihrem „Willi“ sicher: „Das ist ein Paar für die Zukunft.“

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