
ZSK beim Bochum Total 2026
(c) Jenny Musall
Die Ampel-Rückkehr von ZSK bewegt das letzte Bochum Total im Bermuda3Eck
Ein denkwürdiger Finaltag markiert das Ende einer 40-jährigen Ära: Während die Punkband ZSK für die skurrilste Story des Festivals sorgte, war der bevorstehende Wechsel in den Westpark das beherrschende Gesprächsthema unter den zehntausenden Besuchern.
Ein durchweg geschichtsträchtiger Sonntag besiegelte gestern das vorläufig letzte Kapitel von Bochum Total in seiner traditionellen Geburtsstätte. Nach vier Jahrzehnten verabschiedete sich das größte Umsonst-und-draußen-Straßenfestival Deutschlands aus dem Bermuda3Eck. Neben aller Wehmut und den allgegenwärtigen Diskussionen rund um den für 2027 angekündigten Umzug in den Westpark wird dieser letzte Tag jedoch vor allem durch eine kuriose Rückgabe-Aktion einer bekannten Punkband im Gedächtnis bleiben.
Das Ampel-Wunder vom Südring: ZSK bringt Diebesgut zurück
Für den absoluten Höhepunkt des Abschlusstages auf der Radio-Bob-Bühne sorgte die Polit-Punkband ZSK. Im vergangenen Jahr war während ihres schweißtreibenden Auftritts eine Fußgängerampel am Südring zu Bruch gegangen. Die Band fackelte damals nicht lange, packte das beschädigte Stück kurzerhand ein und nahm es als illegitimes Souvenir mit auf Tour – was ihnen prompt einen offiziellen, wenn auch humorvollen Ermittlungsanruf der Bochumer Polizei einbrachte.
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Genau ein Jahr später löste die Band das Versprechen ein und brachte das Corpus Delicti zurück nach Bochum. Wenn auch sichtlich gezeichnet und leicht beschädigt, ließ es sich Sänger Joshi nicht nehmen, das Fundstück höchstpersönlich wieder auf der Bühne zu installieren. Unter dem tosenden Applaus der Fans brachte die Band das grüne Ampelmännchen wieder zum Strahlen. „Die ist jetzt für immer grün!“, rief Joshi der Menge zu und stimmte als humorvolle Entschuldigung ein exklusives Remake des Toten-Hosen-Klassikers unter dem Titel „Hier kommt die Ampel“ an, was im Publikum sofort für einen lautstarken Ohrwurm sorgte.
Joshi nutzte die emotionale Kulisse zudem für ein ernstes Anliegen: Er bedankte sich stellvertretend für die Musikszene bei Bochum-Total-Gründer Marcus Gloria für dessen unermüdlichen Einsatz und 40 Jahre gelebte Kulturarbeit. Gloria selbst verfolgte die Aktion sichtlich amüsiert und gerührt vom Bühnenrand – ein perfektes, augenzwinkerndes Highlight für die Abschiedsvorstellung im Bermuda3Eck.
Generationsübergreifende Party und neue „Festival-Seelsorge“
Abseits der Ampel-Anekdote bot der Finaltag noch einmal die gesamte Bandbreite, die das Festival über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Während die härtere Fraktion bei ZSK sowie den Formationen Cloudspotter, Vinta und Tulpe die Rockbühne zum Beben brachte, feierte das überwiegend jüngere Publikum an den anderen Ecken des Quartiers. Acts wie Bruchbude, Mika Noé, Yung Saint Paul und Jonny Mahoro sorgten für ausgelassene Partystimmung. Wer es etwas ruhiger mochte, fand bei anspruchsvoller Kleinkunst auf der beliebten Wortschatzbühne einen passenden Zufluchtsort.
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Ein voller Erfolg war in diesem Jahr auch eine soziale Premiere: Die neu ins Leben gerufene Festival-Seelsorge wurde vom Publikum überragend angenommen. Über 500 Mal suchten Besucher das direkte Gespräch mit den ehrenamtlichen Helfern. Das Feedback der Festivalgäste war überwältigend positiv – Sätze wie „Gute Idee!“ und tiefe Dankbarkeit für das niederschwellige Hilfsangebot prägten die Rückmeldungen an diesem intensiven Abschlusswochenende.
Nun richten sich alle Blicke auf das Jahr 2027, wenn sich für Bochum Total auf den Wiesen an der Jahrhunderthalle die Vorhänge für eine völlig neue Ära öffnen.
