Beitrag: Denkmalplakette für Wiemelhausener Anlage „KoWoBo“
KoWoBo erhält Denkmalplakette

+++ Foto: Dennis Yenmez/Stadt Bochum +++

Das wegweisende Ensemble „Auf der Papenburg“ steht ab sofort unter Denkmalschutz. Die in Kooperation mit der Ruhr-Universität erforschte Anlage gilt als Paradebeispiel für das „kommunikative Wohnen“ der 68er-Generation.

Bochum ist um ein baukulturelles Denkmal reicher – und dieses stammt ausnahmsweise nicht aus der Ära der Industrialisierung. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bochum hat die postmoderne Wohnanlage „KoWoBo“ im Stadtteil Wiemelhausen offiziell in die Denkmalliste eingetragen. Mit der Übergabe der Denkmalplakette am Montag, 22. Juni 2026, durch Heike Möller vom Amt für Stadtplanung und Wohnen wird das alternative Wohnprojekt nun auch für die Öffentlichkeit sichtbar als Teil des baukulturellen Erbes der Stadt ausgewiesen.

Architektur des Miteinanders: Einzigartiges Denkmal der 80er-Jahre

Das Ensemble an der Straße Auf der Papenburg wurde zwischen 1976 und 1981 von einem engagierten Baukollektiv akribisch geplant und in den Jahren 1981 bis 1984 durch den Bochumer Architekten Reiner Nüsslein baulich realisiert. Die Eintragung in die Denkmalliste würdigt die außergewöhnliche architektonische, städtebauliche, aber vor allem die sozialgeschichtliche Dimension des Komplexes.

Die aus zwei Hauptbaukörpern bestehende Anlage gilt als herausragendes und im Ruhrgebiet seltenes Zeugnis für das Konzept des „kommunikativen Wohnens“. Es ist der bauliche Ausdruck eines alternativen Lebens- und Gemeinschaftsentwurfs der sogenannten „68er-Generation“.

Die Besonderheiten der Anlage im Überblick:

  • Individuelle Grundrisse: Statt standardisierter, monotoner Wohnungen wurde jeder Grundriss individuell auf die Bedürfnisse der damaligen Planer zugeschnitten.

  • Gemeinschaftsorientierte Bauform: Die Architektur zwingt nicht zur Isolation, sondern fördert durch ihre offene Struktur bewusst die nachbarschaftliche Begegnung und das interkulturelle Zusammenleben.

  • Ökologischer Gemeinschaftsgarten: Der weitläufige Garten ist explizit Teil des geschützten Denkmals. Er wird von den Eigentümern als kollektive, ökologisch bewirtschaftete Freifläche genutzt.

Das gesamte Ensemble dokumentiert eindrucksvoll den Geist einer Epoche, in der Architektur, gesellschaftlicher Aufbruch und das expandierende Bildungswesen (unter anderem durch die nahegelegene Ruhr-Universität) eine enge Symbiose eingingen.

Forschungsprojekt mit der RUB ebnete den Weg

Die Unterschutzstellung der „KoWoBo“ ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Teamleistung. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen der Stadt Bochum und dem Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) nahmen Studierende die Architektur unter die Lupe. Ziel des Seminars war die systematische Erfassung „junger“ Bochumer Bauten der Nachkriegs- und Postmoderne.

Auf den detaillierten Untersuchungsergebnissen der Studierenden aufbauend, leitete die Untere Denkmalbehörde in enger Abstimmung mit den Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die tiefergehende Prüfung ein. In diesem Frühjahr folgte schließlich die offizielle Unterschutzstellung, die nun mit der feierlichen Übergabe der Plakette an die Eigentümergemeinschaft ihren runden Abschluss fand.

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