
Brücke über der A42
(c) Sebastian Sendlak
Ein spektakulärer logistischer Kraftakt ist vollbracht: Spezialfahrzeuge manövrierten die 300 Tonnen schwere Stahlkonstruktion zentimetergenau über die Autobahn.
Der Ausbau der Autobahn 43 (A43) hat am vergangenen Wochenende einen wegweisenden und sichtbaren Meilenstein erreicht. Während einer mehrtägigen Vollsperrung der Autobahntrasse wurde die neue, imposante Brücke der Lothringentrasse an ihre endgültige Position über den Fahrbahnen eingeschoben. Das neue Bauwerk beeindruckt mit beachtlichen Dimensionen: Es ist rund 70 Meter lang, neun Meter breit und überspannt die A43 künftig in einer Höhe von rund fünf Metern. Allein die nackte Stahlkonstruktion bringt – noch vollkommen ohne den späteren Beton – ein Eigengewicht von rund 300 Tonnen auf die Waage. Eingeschoben wurde der Koloss mithilfe von hochmodernen Spezialschwerlastfahrzeugen. Künftig wird die Konstruktion eine wichtige Doppelfunktion erfüllen und sowohl die zentralen Fernwärmeleitungen der Stadtwerke Bochum als auch den kombinierten Geh- und Radweg der Lothringentrasse sicher über die Autobahn führen.
Sechsspuriger Autobahnausbau macht Neubau unumgänglich
Die aufwendige Baumaßnahme wurde notwendig, da die Autobahn Westfalen die A43 in diesem stark frequentierten Abschnitt auf insgesamt sechs Fahrspuren verbreitert. Die historische alte Brücke war schlichtweg zu kurz dimensioniert, um eine derart breite Fahrbahn ohne stützende Pfeiler zu überspannen. Aus diesem Grund wurde in den vergangenen Monaten direkt parallel das neue, deutlich längere Bauwerk errichtet. Nach dem erfolgreichen Einschub am Wochenende sind nun als Nächstes die Stadtwerke Bochum am Zug. Die Techniker werden in den kommenden Wochen damit beginnen, die neuen Fernwärmeleitungen auf der Brücke zu installieren und diese dauerhaft an das bestehende städtische Versorgungsnetz anzuschließen.
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Das ehrgeizige Infrastrukturprojekt schlingt ein Gesamtbudget von rund 7,4 Millionen Euro auf. Da das Bauwerk einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des umweltfreundlichen Fuß- und Radverkehrs im mittleren Ruhrgebiet leistet, bleibt die Stadt nicht allein auf den Kosten sitzen: Die Maßnahme wird im Zuge der offiziellen „Förderrichtlinie Nahmobilität“ (FöRi-Nah) tatkräftig vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen bezuschusst. Es handelt sich um ein eng koordiniertes Gemeinschaftsprojekt der Stadtverwaltung und des lokalen Energieversorgers.
Geduldsprobe für Radler: Fertigstellung erst im Herbst 2027
Trotz des spektakulären Brückeneinschubs müssen sich Fußgänger und Fahrradfahrer noch eine ganze Weile gedulden, bis sie die neue Trasse einweihen dürfen. Nach derzeitigem Planungsstand der Ingenieure werden die Stadtwerke ihre Arbeiten an den Rohrleitungen voraussichtlich im Sommer 2027 abschließen. Erst im Anschluss können die finalen Arbeiten an der Brückenausstattung – wie die Montage der Sicherheitsgeländer und der Beleuchtung – sowie die eigentlichen Wegebauarbeiten für die Rampen und Anschlüsse beginnen. Die vollständige Inbetriebnahme und der endgültige Abschluss der gesamten Baumaßnahme sind für den Oktober 2027 anvisiert.
Damit die wichtige Radwegverbindung zwischen den Stadtteilen bis dahin nicht über Jahre komplett blockiert bleibt, haben die Verantwortlichen eine bürgerfreundliche Zwischenlösung ausgearbeitet. Es ist fest eingeplant, das alte Brückenbauwerk bis zur endgültigen Fertigstellung des Neubaus noch einmal vorübergehend für den Fuß- und Radverkehr freizugeben. Die Radler können die gewohnte Umleitung voraussichtlich direkt nach dem Rückbau des massiven Montageplateaus zum Ende der diesjährigen Sommerferien 2026 wieder nutzen. Bis dahin bleibt das Baustellengelände aus Sicherheitsgründen für Unbefugte strengstens gesperrt.
