Beitrag: Schauspielhaus Bochum: Johan Simons lädt zum Aufbruch
Vorstellung der Spielzeit 2026(27 im Schauspielhaus

(c) Sebastian Sendlak

Kein sentimentaler Abschied, sondern der Blick nach vorn: Intendant Johan Simons präsentiert seine finale Spielzeit 2026/2027 mit 16 Premieren.

Intendant Johan Simons hat am Mittwoch, 3. Juni 2026, das mit Spannung erwartete Programm für seine finale Spielzeit 2026/2027 am Schauspielhaus Bochum vorgestellt. Die kommende Saison steht ganz im Zeichen von neuen Entwürfen, gesellschaftlichen Zukunftsfragen und künstlerischen Aufbrüchen statt wehmütiger Abschiede. Insgesamt erwarten das Publikum in den verschiedenen Spielstätten 16 hochkarätige Premieren sowie eine internationale Kooperation mit dem südafrikanischen Künstler William Kentridge. Zu den absoluten Höhepunkten zählt ein dreiteiliges Inszenierungsprojekt von William Shakespeares Klassiker Der Sturm, an dem das gesamte Bochumer Ensemble mitwirken wird. Der offizielle Ticketvorverkauf für die ersten Produktionen der neuen Spielzeit startet am Montag, 6. Juli.

Ein fulminantes Eröffnungswochenende im Oktober

Den Auftakt in die neue Spielzeit markiert am 2. Oktober die Premiere von Clockwork Orange nach Anthony Burgess im großen Haus. Die Schweizer Regisseurin Claudia Bossard bringt den kontroversen Kultroman auf die Bühne und seziert darin eine Jugend, die den Kampf gegen die bestehende Weltordnung aufnimmt. Nur einen Tag später, am 3. Oktober, folgt in den Kammerspielen die scharfzüngige Komödie Der Liebling von Svenja Viola Bungarten. Unter der Regie von Tina Lanik hinterfragt ein fast ausschließlich weibliches Ensemble gesellschaftliche Rollenbilder und die kapitalistische Konkurrenzlogik. Das junge Publikum kommt ab dem 4. Oktober im Theaterrevier bei der interaktiven Performance Lügenparty von Turbo Pascal auf seine Kosten.

Gemeinsam mit Chefdramaturgin Angela Obst betonte Simons bei der Pressekonferenz den bewussten Verzicht auf wehmütige Töne zum Ende seiner Amtszeit. Man wolle jetzt nicht in Sentimentalität verfallen und traurig zum Abschied winken, da es noch viel zu tun gebe, erklärten die beiden Theatermacher bei der Präsentation. Das Interesse gelte vielmehr dem Aufbruch, und man wolle gemeinsam mit dem Publikum die Tür zur Zukunft aufstoßen. Diese Philosophie spiegelt sich auch in der Programmierung wider, die klassische Stoffe konsequent auf ihre Tauglichkeit für die heutige Gegenwart abklopft und gleichzeitig mutigen Newcomern eine prominente Plattform bietet.

Politische Sprengkraft und ein großes Final-Festival

Im Winter greift der Intendant selbst zum Regiebuch und inszeniert George Taboris berühmte Farce Mein Kampf. Die Premiere am 19. Dezember in den Kammerspielen zeigt mit bitterbösem Witz, wie leicht gesellschaftliche Außenseiter durch zerstörerische Ideologien Massen verführen können. Ein weiteres politisches Highlight folgt am 30. Januar 2027 mit Bertolt Brechts Lustspiel Mann ist Mann, einer Koproduktion mit der Folkwang Universität der Künste. Hierbei stehen Studierende des dritten Jahrgangs auf der Bühne – genau jene Generation, deren Zukunft in den aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Wehrhaftigkeit und den Verteidigungsfall unmittelbar verhandelt wird.

„In einer Zeit zunehmender Spaltungen ist dieses auf Vielfalt ausgerichtete Projekt unsere Antwort.“ — Johan Simons & Angela Obst

Das große Finale von Simons‘ Intendanz wird im Frühjahr mit dem zweiwöchigen Festival The Future is Ours! Die Zukunft gehört uns! ab dem 21. Mai zelebriert. In Zusammenarbeit mit William Kentridges Centre for the Less Good Idea verwandelt sich das gesamte Theater in einen interdisziplinären Raum für Performances, Konzerte und Workshops. Flankiert wird die Spielzeit von bewährten Diskussions- und Kulturformaten wie Norbert Lammerts Gesprächsreihe Ein Gast. Eine Stunde und Şeyda Kurts Talkrunde What a Pleasure. Damit verabschiedet sich Simons von der Ruhrpott-Metropole mit einem lauten, kreativen Paukenschlag, der die Identität des Hauses als progressiver Debattenraum festigt.

Über den Sommer werden wir hier einige der Stücke präsentieren.

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