Beitrag: SKL Städteranking 2026: Bochum stagniert im Mittelfeld der Lebenszufriedenheit
BOCHUM-Schriftzug vor dem Rathaus

(c) Sebastian Sendlak

Das aktuelle SKL Städteranking 2026, eine wissenschaftliche Sonderstudie im Rahmen des SKL Glücksatlas unter der Leitung von Professor Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg, bescheinigt den Bewohnern der deutschen Großstädte eine historisch hohe, sich jedoch stabilisierende Lebenszufriedenheit.

Während Erfurt überraschend den Spitzenplatz als glücklichste Großstadt Deutschlands erobert hat und Rostock das Schlusslicht bildet, zeichnet sich für die Stadt Bochum ein ernüchterndes Bild ab. Im landesweiten Vergleich der 40 größten deutschen Städte belegt die Revierstadt lediglich den 28. Rang und verharre damit im unteren Drittel des Tableaus.

Auf einer Skala von 0 für „überhaupt nicht zufrieden“ bis 10 für „völlig zufrieden“ erreicht Bochum einen durchschnittlichen Glücksindex von 6,95 Punkten. Damit liegt die Stadt spürbar unter dem bundesweiten Großstadtdurchschnitt, der im Erhebungszeitraum leicht auf 7,02 Punkte angestiegen ist. Die statistische Auswertung der Universität Freiburg, welche auf repräsentativen Daten des Instituts für Demoskopie Allensbach aus den Jahren 2022 bis 2026 basiert, ordnet Bochum zudem in die Kategorie der sogenannten „Underperformer“ ein. Dies bedeutet, dass die objektiv gemessene Lebensqualität – ermittelt durch 30 strukturelle Indikatoren aus Bereichen wie Wohnen, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Umweltqualität – eigentlich eine signifikant höhere Lebenszufriedenheit der Bevölkerung erwarten ließe, als von den Bürgern in den mündlich-persönlichen Interviews tatsächlich geäußert wird. Mit dem objektiven Strukturrang 23 schneidet Bochum in der Realität der Daten messbar besser ab, als es das subjektive Wohlbefinden der Einwohner widerspiegelt.

Regionalvergleich: Das Ruhrgebiet bildet das Schlusslicht der westdeutschen Großstädte

Im überregionalen Vergleich offenbart das SKL Städteranking 2026 ein starkes Gefälle innerhalb von Nordrhein-Westfalen. Während die Einwohner im Regierungsbezirk Düsseldorf und dem äußersten Westen der Republik außergewöhnlich hohe Glückswerte angeben – Düsseldorf belegt mit 7,41 Punkten Rang 3, gefolgt von Krefeld auf Rang 4 und Mönchengladbach auf Rang 7 –, fällt das Ruhrgebiet als zusammenhängende Region massiv ab. Westdeutsche Großstädte weisen mit durchschnittlich 7,07 Punkten zwar bundesweit das höchste Glücksniveau auf, doch dieser Spitzenwert wird primär durch die Rheinschiene getragen und kaschiert die tiefe Unzufriedenheit im Revier.

Die Metropolen des Ruhrgebiets ballen sich fast ausnahmslos im unteren Mittelfeld sowie am Ende des Rankings und bilden damit das klare Schlusslicht im Westen. Essen führt die Tabelle des Ruhrgebiets auf Platz 19 mit 7,09 Punkten an, gefolgt von Bochum auf Platz 28 mit 6,95 Punkten und Dortmund auf Rang 30 mit 6,90 Punkten. Noch deutlicher wird das regionale Defizit beim Blick auf die hinteren Plätze: Wuppertal mit 6,82 Punkten auf Rang 33 und Gelsenkirchen mit 6,81 Punkten auf Rang 34 rangieren nur knapp vor den ohnehin traditionell schwächeren ostdeutschen Großstädten wie Berlin oder Dresden.

Im Gegensatz zu den ostdeutschen Städten, die häufig mit realen, strukturellen Schwächen wie niedrigen Einkommen oder hoher Arbeitslosigkeit kämpfen, teilen die Ruhrgebietsstädte wie Essen, Bochum und Dortmund ein anderes Schicksal: Sie gelten fast durchgehend als strukturelle „Underperformer“. Die wissenschaftliche Analyse zeigt, dass die objektiven Rahmenbedingungen im Revier in den letzten Jahren durch kommunale Anstrengungen und wirtschaftlichen Wandel messbar optimiert wurden. Diese positive Entwicklung kommt jedoch in der subjektiven Wahrnehmung und der Mentalität der Einwohner nicht an. Während im Nordwesten Deutschlands die Zufriedenheitswerte nach der Corona-Pandemie durch eine Normalisierung der Lebensumstände am stärksten zulegen konnten, stagniert das Ruhrgebiet auf einem mäßigen Niveau und verpasst den Anschluss an die bundesweiten Glücksregionen.

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