
Neue Stolperschwelle am Rathaus
(c) Sebastian Sendlak
Ein neues Mahnmal im Herzen der Bochumer Innenstadt erinnert ab sofort an die dunkelsten Kapitel der städtischen Verwaltungsgeschichte.
Vor dem Historischen Rathaus wurde eine sogenannte Stolperschwelle verlegt, die den Opfern des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms gewidmet ist. Das Mahnmal rückt die historische Schuld in den Fokus, die das städtische Gesundheitsamt und die Verwaltung zwischen 1933 und 1945 auf sich geladen haben. Oberbürgermeister Jörg Lukat stellte die Stolperschwelle im Rahmen einer feierlichen Verlegung der Öffentlichkeit vor.
Die eingeprägte Inschrift auf der Messingplatte verdeutlicht das systematische Unrecht jener Jahre. Sie erinnert daran, dass hunderte Menschen durch das damalige Gesundheitsamt Bochum als vermeintlich lebensunwert stigmatisiert, auf Anordnung von Behörden in Heil- und Pflegeanstalten sowie Arbeitshäuser eingewiesen und schließlich in den nationalsozialistischen Tötungsanstalten ermordet wurden. Oberbürgermeister Lukat betonte in seiner Ansprache die tiefe Betroffenheit über die einzelnen Schicksale und mahnte, dass das Aushebeln demokratischer Schutzmechanismen grundlegende Menschenrechte zerstört. Das Gedenken an diese Taten müsse als dauerhafte Warnung für die Zukunft verstanden werden.
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Initiative der „Omas gegen Rechts“ und wissenschaftliche Aufarbeitung
Die Verlegung des Mahnmals geht maßgeblich auf das zivilgesellschaftliche Engagement der lokalen Gruppe „Omas gegen Rechts“ zurück, welche die Initiative für dieses Projekt ergriffen hatte. Um die historischen Fakten und die genauen Abläufe innerhalb der Bochumer Behörden während der Diktatur präzise zu rekonstruieren, leistete das Bochumer Stadtarchiv umfassende wissenschaftliche Recherchearbeit. Die Ergebnisse dieser Aufarbeitung bildeten das Fundament für die Textierung der Schwelle und die historische Einordnung des Standorts direkt vor dem Verwaltungsgebäude.
Die Stolperschwelle unterscheidet sich durch ihre längliche Form von den bekannten, quadratischen Stolpersteinen und wird primär an Orten eingesetzt, an denen eine große, kollektive Opfergruppe anstelle von Einzelpersonen gewürdigt werden soll. Das Rathaus als zentraler Ort der bürokratischen Weichenstellungen von einst fungiert nun als dauerhafter Ort des Erinnerns im städtischen Raum.
Meilenstein beim dezentralen Gedenken: 400 Stolpersteine in Bochum
Flankiert wurde die Verlegung am Rathaus durch die Platzierung von acht weiteren, klassischen Stolpersteinen an verschiedenen Adressen im gesamten Bochumer Stadtgebiet. Mit diesen Neuzugängen wurde ein symbolischer Meilenstein erreicht, da sich nun exakt 400 dieser kleinen Erinnerungsmarken im Bochumer Straßenbild befinden. Die Steine sind Teil des europaweiten, dezentralen Kunstprojekts des Künstlers Gunter Demnig, der mit den im Boden verankerten Messingtafeln die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen direkt vor deren ehemaligen Wohnhäusern lebendig hält.
Für Bürgerinnen und Bürger, die sich intensiver mit den Biografien der Betroffenen auseinandersetzen möchten, stellt die Stadt digitale Hilfsmittel zur Verfügung. Eine detaillierte Übersicht aller verlegten Gedenksteine, komfortabel sortiert nach den jeweiligen Personennamen und Straßenzügen, ist dauerhaft auf den Internetseiten des Bochumer Stadtarchivs abrufbar. Zudem wurde eine interaktive Karte in das offizielle Geoportal auf der städtischen Homepage bochum.de integriert, die die genauen Standorte der 400 Erinnerungsmarken im Stadtgebiet visuell darstellt.
