Beitrag: Margot-von-Renesse-Preis feiert Premiere im Kunstmuseum
Verleihung dess Margot-von-Renesse-Preis 2026

(c) Jenny Musall

Ein neues Kapitel der politischen Erinnerungskultur in Bochum hat begonnen. Erstmals wurde die Auszeichnung für Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit, der Margot-von-Renesse-Preis, übergeben.

Die erstmalige Verleihung des Margot-von-Renesse-Preises im Kunstmuseum Bochum lockte zahlreiche engagierte Bürger und namhafte Persönlichkeiten aus der Politik an. Als Ausdruck von Verantwortung und Haltung erinnerte die SPD Bochum an das Lebenswerk der ehemaligen Richterin und Bundestagsabgeordneten Margot von Renesse. Die feierliche Atmosphäre bot den perfekten Rahmen, um die Werte von Solidarität und Menschlichkeit in den Fokus zu rücken. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Würdigung von sechs herausragenden Gleichstellungsprojekten aus der Region. Am Ende durfte sich eine ganz besondere Initiative über die Auszeichnung freuen.

Erste Preisverleihung der SPD Bochum im Kunstmuseum

Serdar Yüksel, Bundestagsabgeordneter der SPD Bochum, hat die Feierstunde mit einer Begrüßung der vielen Weggefährten der Namensgeberin Margot von Renesse, eröffnet. Dabei sind auch die amtierende Landtagsabgeordnete Andrea Busche sowie der zweite Bochumer Bundestagsabgeordnete Hendrik Bollmann, gewesen. „Ich freue mich, dass der erste Bürger unserer Stadt, unser lieber Oberbürgermeister Jörg Lukat, hier ist“, sagt Yüksel in seiner Ansprache. Er blickt hierbei auf seine erste Begegnung mit Margot von Renesse im Jahr 1999 während des Kosovo-Krieges zurück. Trotz kontroverser Debatten sei sie der Diskussion nie entwichen, sondern habe stets klar, sachlich und mit großer Ernsthaftigkeit argumentiert.

Die frühere Staatsministerin Birgit Fischer hat im Anschluss die Aufgabe gehabt, das facettenreiche Wirken der Juristin detailliert zu skizzieren. Sie beschrieb die Verstorbene als beharrlich, freundlich, zugewandt und diplomatisch, deren Stärke immer das Argument war. „Hinter dem Margot-von-Renesse-Preises steckt mehr als der Name und mehr als eine interessante Vita“, erklärt die Festrednerin vor dem Publikum. Sie beleuchtet den Weg von der 18-jährigen Richtertätigkeit am Amts- und Landgericht Bochum bis hin zu den wegweisenden Reformen im Deutschen Bundestag. Von der Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe bis zum Lebenspartnerschaftsgesetz habe sie stets für die Würde der Menschen gestritten.

Das Marie Jamula Center gewinnt den Frauenförderpreis

(c) Jenny Musall

Nach den bewegenden Reden leitet Caroline Ströttchen den spannendsten Teil des Vormittags ein und hat die eingegangenen Bewerbungen vorgestellt. Insgesamt sechs Vorschläge haben Vereine und zivilgesellschaftliche Initiativen für den angekündigten Frauenförderpreis eingereicht. Die Jury, zu der unter anderem Carina Gödecke, Gaby Schäfer, Steffi Helder-Notzon und Dorothea von Renesse gehören, hatte keine leichte Wahl. Am Ende ist die Entscheidung der Jurymitglieder für das innovative Empowerment-Programm für Studentinnen jedoch absolut einstimmig ausgefallen. „Tatsächlich waren sich alle Juniorinnen in diesem Kreis einig, wer den Frauenförderpreis gewinnen soll. Nämlich das Projekt ‚Misch Dich ein, mach Politik vor Ort‘“, verkündet Ströttchen das Ergebnis.

Dr. Beate von Miquel hat die Auszeichnung stellvertretend für das gesamte Team auf der Bühne entgegengenommen. Die Geschäftsführerin des interdisziplinären Marie Jahoda Center for International Gender Studies an der Ruhr Universität Bochum findet auch lobende Worte für die anderen Projekte. Sie berichtet von dem Gestaltungswillen der jungen Studierenden, die sich ohne jegliche Creditpoints komplett on top engagieren. Mit Marlene Bücker und Jasmin Al Osman hat sie zwei engagierte Teilnehmerinnen mitgebracht, die den kommunalpolitischen Weg bereits aktiv gehen. Jasmin Al Osman wurde beispielsweise unlängst zur AStA-Vorsitzenden an der Ruhr-Universität gewählt und gilt als großes Talent für die Zukunft.

Nominierte Projekte und bewegende Worte der Familie

Zum Abschluss trat die Tochter der 2022 verstorbenen Margot von Renesse, Dorothe von Renesse, an das Mikrofon. Sie gesteht, dass sie angesichts der vielen Menschen und der tollen Vorschläge absolut geflasht und tief berührt sei. Beide Eltern haben sich im Leben ständig eingemischt, was sie als Jugendliche zwar nervte, heute jedoch als Fundament der Demokratie versteht. Sie erinnerte mit einer persönlichen Kindheitsgeschichte aus Querenburg, an das Geschehen im Uni-Center Mitte der 80er Jahre. Damals fehlte ihr noch der Mut zum Handeln, weshalb sie die heutigen Empowerment-Projekte für die Stadtgesellschaft als so unschätzbar wichtig erachtet.

Weitere nominierte Projekte für den Margot-von-Renesse-Preis 2026

  • Frauenarbeitsgruppe der alevitischen Gemeinde Bochum

  • Frauenberatungsstelle von Pro Familia Bochum

  • Khonaf Hayo (Deutsch-Kurdische Frauenunion/Verein Bonani e.V.)

  • Katja Glasmacher (Netzwerk Business Moms & More)

  • Bildungswerk Pro-Integration der IFAK-EV (Stadtteiltreff Alte Post in Hamm)

  • Projekt „Misch dich ein, mach Politik vor Ort“ (Marie Jahoda Center/Ruhr-Universität Bochum/Universität Duisburg-Essen) – Preisträger

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