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Ruhr Universität Bochum
Die Ruhr-Universität untermauert ihren Ruf als exzellente Forschungsstätte. Drei aktuelle Durchbrüche und Meilensteine zeigen die enorme Bandbreite von der Philosophie des Geistes über die Elektrochemie bis zur Geschichtswissenschaft.
An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) laufen die wissenschaftlichen Motoren auf Hochtouren. Gleich drei herausragende Meldungen aus ganz unterschiedlichen Fakultäten belegen die internationale Strahlkraft der Universität im Herzen des Ruhrgebiets.
1. Philosophie: Koryphäen diskutieren das Rätsel des menschlichen Bewusstseins
Drei Jahrzehnte nach dem Erscheinen des Meilensteins „The Conscious Mind“ von David Chalmers wird Bochum zum weltweiten Zentrum der Philosophie des Geistes. Am 18. und 19. Juni 2026 versammeln sich auf Einladung der Professoren Tobias Schlicht (RUB) und Lucia Melloni (Lissabon/Frankfurt) die einflussreichsten Köpfe der Philosophie und Neurowissenschaften im Kunstmuseum Bochum. Unter dem Titel „The Conscious Mind at 30“ wird auch Vordenker David Chalmers persönlich anwesend sein.
Die Tagung trifft den exakten Nerv der Zeit: Sie fällt symbolisch mit dem 70. Jahrestag der Dartmouth-Konferenz (18. Juni 1956) zusammen, auf der einst der Begriff „Künstliche Intelligenz“ geprägt wurde. Während moderne bildgebende Verfahren und die rasante Entwicklung der KI die Erforschung von künstlichem Bewusstsein revolutioniert haben, bleibt Chalmers‘ berühmtes „schwieriges Problem“ bis heute ungelöst: Warum bringen physikalische Prozesse im Gehirn überhaupt subjektive, emotionale Erfahrungen hervor? Renommierte Experten wie Anil Seth und Liad Mudrik werden zwei Tage lang in Bochum die Forschungsagenda für das nächste Jahrzehnt abstecken.
2. Elektrochemie: Durchbruch bei der Produktion von grünem Wasserstoff
Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universitäten Kassel, Bochum (Prof. Dr. Wolfgang Schuhmann) und Lissabon hat einen bedeutenden Meilenstein für die Energiewende vorgelegt. Die in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie publizierte Studie optimiert die biologische Wasserstoffproduktion mittels Cyanobakterien (Blaualgen).
Cyanobakterien nutzen die natürliche Fotosynthese, um sauberen Wasserstoff zu erzeugen. Das Problem bisher: Der dabei entstehende Sauerstoff blockiert die dafür notwendigen Enzyme (Hydrogenasen). Dem Team gelang nun der Durchbruch: Sie betteten genetisch modifizierte Bakterien-Mutanten in ein spezielles Redoxpolymer auf einer Elektrode ein. Durch ein elektrisches Potenzial wird der störende Sauerstoff in einer künstlichen Mikroumgebung direkt um die Zellen herum eliminiert. Das System kombiniert die Robustheit lebender Zellen mit elektrochemischer Präzision und ebnet den Weg für langlebige biofotovoltaische Systeme zur Gewinnung von grünem Wasserstoff.
3. Geschichtswissenschaft: 9. Bochumer Historikerpreis geht an Franz-Josef Brüggemeier
Die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets vergibt den renommierten und mit 30.000 Euro dotierten 9. Bochumer Historikerpreis an den profilierten Sozialhistoriker Prof. Dr. Franz-Josef Brüggemeier. Die Auszeichnung, die gemeinsam mit der Stadt Bochum, der RUB und der Evonik-Stiftung im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben wird, steht unter der Schirmherrschaft von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.
[ PROFILE: PROF. DR. FRANZ-JOSEF BRÜGGEMEIER ]
• Herkunft: Gebürtiger Bottroper, studierte u.a. an der RUB
• Meilensteine: Dissertation "Leben vor Ort" über Ruhrbergleute
• Auszeichnung: Doyen der deutschen Umweltgeschichte ("Grubengold")
• Kultur: Fachberater für WDR-Klassiker "Rote Erde" & Gasometer-Ausstellungen
Der gebürtige Bottroper Brüggemeier, der auch ein vollendetes Medizinstudium vorweisen kann, gilt als einer der wichtigsten Pioniere der deutschen Umweltgeschichte und erforschte wie kaum ein anderer die Alltags- und Erfahrungsberichte der Menschen im Revier. Neben seinen akademischen Lehrstühlen (u.a. in Freiburg) erlangte er große Verdienste durch die Popularisierung der Regionalgeschichte – etwa als Berater der legendären WDR-Serie „Rote Erde“ oder als Mitinitiator der Ausstellung „Feuer & Flamme“ im Gasometer Oberhausen. Der Preis wird ihm am 11. November 2026 im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets feierlich überreicht.
