Beitrag: „StarQMach-Mobil“ rollt durch die Bochumer Quartiere
Einweihung des StarQmach Mobils

(c) Sebastian Sendlak

Mit einem auffälligen blauen Bauwagen aus dem Jahr 1978 startet die Stadt Bochum ein innovatives Projekt: „BO:StarQ“ bringt Beratung direkt zu den Familien in die Stadtteile, um Armut nachhaltig zu bekämpfen.

Es ist mehr als nur ein renoviertes Relikt aus den 70er-Jahren – es ist ein Symbol für das „Zugehen statt Abwarten“. Am Dienstag wurde das „StarQMach-Mobil“ offiziell von Oberbürgermeister Jörg Lukat am Q1 im Westend in Betrieb genommen. Der sechs Meter lange, in Bochum-Blau gestaltete Bauwagen dient ab sofort als mobile Anlaufstelle für armutsgefährdete und -betroffene Familien. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee sollen hier Hemmschwellen abgebaut und Gespräche auf Augenhöhe ermöglicht werden. Das Projekt, das durch das ESF-Programm mit zwei Millionen Euro gefördert wird, setzt dort an, wo klassische Behördenstrukturen oft an ihre Grenzen stoßen: direkt vor der Haustür der Menschen.

Niederschwellige Hilfe im vertrauten Quartier durch das StarQMach-Mobil

Das Konzept hinter „BO:StarQ: Startchancen im Quartier“ ist bewusst niederschwellig gewählt. „Wir wollen nicht warten, sondern wir gehen auf die Menschen zu“, sagt Oberbürgermeister Jörg Lukat bei der Eröffnung. Viele Familien hätten Hemmungen, klassische Hilfesysteme aufzusuchen oder die richtigen Worte für ihre Probleme zu finden. Das Mobil soll diesen „Menschen am Rande“ eine Stimme geben und sie wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken. In einer Pilotphase werden zunächst Standorte wie Hamme, der Rosenberg oder Wattenscheid-Mitte angefahren. Dabei wird eng mit Multiplikatoren zusammengearbeitet, zu denen in den Quartieren bereits Vertrauen besteht.

Sozialdezernent Jens Vieting hebt die Bedeutung der neuen Herangehensweise hervor. Zwar verfüge Bochum über etablierte Strukturen wie das Jobcenter oder die Arbeitsagentur, doch es werde zunehmend schwieriger, die Zielgruppen zu erreichen. „Unsere Hilfsangebote sind nicht jedem transparent“, so Vieting. Das „StarQMach-Mobil“ fungiert hier als Brückenbauer. Ziel ist eine ganzheitliche Beratung, die über das bloße Erklären von Bescheiden hinausgeht. Es geht darum, familiäre Konflikte zu lösen und Netzwerke zu schaffen, die die Familien nachhaltig stärken, um langfristig den Weg in eine Beschäftigung zu ebnen.

Ein starkes Bündnis für die Zukunft der Kinder

Dass dieses Projekt überhaupt nach Bochum geholt werden konnte, ist dem Zusammenschluss namhafter Träger zu verdanken. Neben der Stadt Bochum und der Bochumer Beschäftigungsgesellschaft engagieren sich die Via Ruhr, die Rosenberg Initiative, die IFAK und die Gewerkstatt gGmbH gemeinschaftlich an dem Vorhaben. Diese Kooperation ermöglicht eine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit, die über das Projektende im Jahr 2028 hinaus nachhaltige Strukturen in der Stadt hinterlassen soll. „Die Kinder unserer Stadt sind das größte Fundament, das wir haben“, erklärte Vieting mit Blick auf die benachbarte Kita. Ein offenes Ohr für die Sorgen der Eltern zu haben, sei daher eine Investition in die nächste Generation.

In der Pilotphase werden wir austesten, was wie funktioniert. Außerdem werden wir die Standorte mehrfach besuchen“, erklärt Dana Cramer vom Amt für Soziales der Stadt Bochum. In dem Bauwagen werden drei bis vier Mitarbeiter sein und beratend zur Seite stehen. Die zentralen Themen sind: ganzheitliche Beratung oder Bescheide vom Jobcenter. „Streit in der Familie ist ebenfalls ein Thema. Man schaut, dass alle Probleme betrachtet werden. Alle Themen sollten geklärt sein, damit es mit einer Jobaufnahme klappt“, so Cramer weiter. Am Bauwagen sollen durch bekannte Personen viele lockere Gespräche entstehen. „Jeder ist willkommen. Es werden Netzwerke geschaffen, um Familien nachhaltig zu stärken.“

Die Beratung am Bauwagen wird von drei bis vier Mitarbeitenden durchgeführt und deckt ein breites Themenspektrum ab. Ob es um Probleme mit dem Jobcenter, Schulden oder die allgemeine Lebenssituation geht – jeder ist willkommen. Die Standorte und Einsatzzeiten werden regelmäßig auf der Webseite der Stadt Bochum bekannt gegeben. Für Oberbürgermeister Lukat ist das Projekt ein Herzensanliegen: „Das Füreinander liegt am Menschenrand. Das bedeutet zugehen, nicht abwarten.“ Mit dem „StarQMach-Mobil“ hat Bochum nun ein Werkzeug, das genau diesen Anspruch mobil und sichtbar in die Tat umsetzt.

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Fotos: Sebastian Sendlak

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