
Pressegespräch zum Verkehrsversuch in Linden
(c) Sebastian Sendlak
Ein Jahr lang wird im Stadtteilzentrum Linden getestet: Tempo 20, Radverkehr auf der Fahrbahn und neue Aufenthaltsflächen sollen die Hattinger Straße sicherer und attraktiver machen.
Die Stadt Bochum wagt den Praxistest, bevor die großen Baumaschinen anrollen. Ab Montag, dem 27. April, verwandelt sich die Hattinger Straße zwischen Hasenwinkler Straße und Dr.-C.-Otto-Straße in ein sogenanntes Reallabor. Ziel des Verkehrsversuchs ist es, die Aufenthaltsqualität im lebhaften Stadtteilzentrum zu steigern und Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern zu minimieren. „Bevor irgendwann ein Bagger in Bewegung gesetzt wird, testen wir vor Ort, was wirklich sinnvoll ist“, erklärte Bezirksbürgermeister Marc Gräf bei der offiziellen Vorstellung des Projekts.
Tempo 20 und neue Flächenaufteilung
Das Herzstück des Versuchs ist die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von bisher 30 km/h auf 20 km/h. Mobilitätsplaner Tobias Röder betont die Vorteile: „Bei Tempo 20 nähern sich die Geschwindigkeiten von Auto und Fahrrad an, der Bremsweg ist kürzer und alle nehmen sich besser wahr.“ Zudem soll das verringerte Tempo den Durchgangsverkehr reduzieren, ohne das Zentrum für Anlieger oder den Lieferverkehr abzuriegeln. Etwa 8.000 Fahrzeuge passieren den Abschnitt täglich – für diejenigen, die nicht direkt nach Linden müssen, soll die Strecke durch den Zeitverlust unattraktiver werden.
Eine wesentliche Änderung betrifft den Radverkehr: Die Radfahrer werden künftig auf der Fahrbahn geführt. Der bisherige, schmale Radweg wird dem Gehweg zugeschlagen, um mehr Platz für Fußgänger zu schaffen. „Wer hier zu Stoßzeiten mit dem Fahrrad gefahren ist, weiß, dass die Konflikte mit Fußgängern nicht optimal sind“, so Gräf. Ergänzend werden neue Fahrradbügel, zwei Stationen für das Metropolrad-System sowie eine Ladezone für Lieferanten und ein zusätzlicher Behindertenstellplatz eingerichtet. Von Juni bis August ist zudem eine vorübergehende Begrünung auf der nördlichen Straßenseite geplant, um zusätzliche Verweilbereiche zu schaffen.
Wissenschaftliche Begleitung und Bürgerbeteiligung
Der Versuch wird nicht dem Zufall überlassen, sondern von der Hochschule Bochum im Rahmen des Forschungsprojekts THALESruhr wissenschaftlich begleitet. Durch systematische Verkehrszählungen und -beobachtungen sollen belastbare Daten gewonnen werden, die als Grundlage für eine spätere dauerhafte Umgestaltung dienen. Besonders wichtig ist den Verantwortlichen dabei die Meinung der Menschen vor Ort. „Es ist wichtig, dass ein unverfälschter Blick aus der Sicht der Bürgerinnen und Bürger in die Bewertung einfließt“, erklärte Bezirksbürgermeister Gräf bei dem Vorort-Termin an der Hattinger Straße.
Gegen Herbst soll die Öffentlichkeit umfassend informiert und im Rahmen von Befragungen aktiv in die Auswertung einbezogen werden. Die Kosten für die Markierungs- und Beschilderungsarbeiten liegen bei rund 8.000 Euro – eine vergleichsweise geringe Investition, um Fehlplanungen bei einem späteren teuren Umbau zu vermeiden. Denn eines steht fest: Da die Gleisanlagen der Bogestra ohnehin in absehbarer Zeit erneuert werden müssen, bietet der Verkehrsversuch die Chance, Synergieeffekte zu nutzen und das Stadtteilzentrum Linden langfristig nach dem Vorbild von Weitmar-Mark zu modernisieren.
