Beitrag: Nächtliches Licht im Wandel: Bochumer Forschungsteam analysiert globale Satellitendaten
Der nächtliche Blick auf die Erde erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen die menschlichen Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten

© Michala Garrison/NASA Earth Observatory

Neue Studie zeigt: Das nächtliche Leuchten der Erde nimmt zu – schwankt aber stärker als bisher angenommen. Auch Forschende aus Bochum sind beteiligt.

Eine internationale Forschungsgruppe hat erstmals tägliche Satellitendaten ausgewertet, um Veränderungen der nächtlichen Beleuchtung weltweit zu untersuchen. Beteiligt ist auch die Ruhr-Universität Bochum. Die Ergebnisse wurden am 8. April 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Die Analyse zeigt: Das künstliche Licht auf der Erde nimmt insgesamt zu, entwickelt sich jedoch regional sehr unterschiedlich. Neben langfristigen Trends wurden erstmals auch kurzfristige Schwankungen sichtbar gemacht.

Globale Zunahme – aber keine einheitliche Entwicklung

Im Zeitraum von 2014 bis 2022 stieg die nächtliche Beleuchtung weltweit um rund zwei Prozent pro Jahr. Insgesamt entspricht das einem Zuwachs von etwa 16 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Studie deutliche regionale Unterschiede.

„Das bedeutet nicht, dass es überall heller wird“, sagt Christopher Kyba, Professor für Nachtlichtfernerkundung in Bochum. In Regionen mit wachsender Beleuchtung stiegen die Emissionen um 34 Prozent. In anderen Gebieten gingen sie dagegen um 18 Prozent zurück.

Vor allem Länder wie China und Indien verzeichneten durch Urbanisierung deutliche Zuwächse. In Teilen Europas und anderen Industriestaaten nahm die Beleuchtung hingegen ab – unter anderem durch effizientere LED-Technik und Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung.

Europa wird insgesamt dunkler

In Europa sank das nächtliche Leuchten im untersuchten Zeitraum um rund vier Prozent. Einzelne Länder zeigen dabei deutliche Entwicklungen. In Frankreich etwa ging die Beleuchtung um ein Drittel zurück, da vielerorts nachts Straßenbeleuchtung reduziert wird.

Für Deutschland ergibt sich ein gemischtes Bild: Lokal steigen die Lichtemissionen teils an, während sie in anderen Regionen sinken. Insgesamt bleibt das Niveau weitgehend stabil.

Neue Methode liefert genauere Einblicke

Grundlage der Untersuchung sind Daten des Satelliteninstruments „VIIRS Day/Night Band“. Erfasst wurden tägliche Aufnahmen zwischen ein und vier Uhr nachts.

Ein neu entwickelter Algorithmus berücksichtigte erstmals den Blickwinkel des Satelliten. Dadurch lassen sich Messfehler reduzieren, die entstehen, wenn beleuchtete Flächen aus unterschiedlichen Perspektiven unterschiedlich hell erscheinen.

„Schwankungen der Position des Satelliten wurden bisher nicht ausreichend berücksichtigt“, erklärt Kyba. Die neue Methode ermögliche eine genauere Analyse der tatsächlichen Lichtentwicklung.

Auswirkungen auf Umwelt und Energieverbrauch

Künstliches Licht ist ein relevanter Faktor für den Energieverbrauch und beeinflusst Ökosysteme. Lichtverschmutzung kann unter anderem das Verhalten von Tieren und den menschlichen Schlafrhythmus stören.

Die Forschenden sehen daher weiteren Forschungsbedarf. Ein neues Satellitenprojekt der Europäischen Weltraumorganisation soll künftig noch genauere Daten liefern. Ziel ist es, Veränderungen der nächtlichen Beleuchtung präziser zu erfassen und besser zu verstehen.

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