
Lesung zum Buch „Als die Holzschuhr brachen, ging ich barfuß!“
Foto: Jenny Musall
Die Initiative Gedenkort Bochum-Bergen stellt im Fritz-Bauer-Forum ein Buch zur Geschichte des Zwangsarbeiterlagers Bergen vor. Es erzählt vom Leben und Leiden der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Ruhrbergbau.
Mit einer eindrucksvollen Lesung erinnert die Initiative Gedenkort Bochum-Bergen an ein weitgehend verdrängtes Kapitel Bochumer Geschichte. Im Fritz-Bauer-Forum stellen die Autorinnen ihr neues Buchprojekt vor, das auf jahrelanger Recherchearbeit basiert. Im Mittelpunkt stehen persönliche Schicksale und historische Dokumente, die das Leben von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf der Großzeche Konstantin und Mont Cenis beleuchten. Herausgegeben wird das Werk in Kooperation mit der Gesellschaft Bochum-Donezk e.V.
Einblicke in ein verdrängtes Kapitel
Seit der Corona-Pandemie forscht die Initiative Gedenkort Bochum-Bergen zu den Arbeits- und Lebensbedingungen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Bochum. Aus dieser intensiven Recherche entsteht die Idee, ein Buch zu veröffentlichen. In der Lesung erläutern die Sprecherinnen die Struktur des Projekts: Sie wechseln sich ab, zitieren Originalquellen und markieren bewusst NS-Begriffe wie „Ostarbeiter“, um sich sprachlich zu distanzieren.
Das Buch zeichnet ein detailliertes Bild der Lagerlandschaft in Bochum: Rund 16 Lager und 15 Schachtanlagen gehören zu einem komplexen System, in dem Menschen nach Nationalität und Geschlecht getrennt leben und arbeiten müssen. Besonders eindrücklich sind die Schilderungen von Zeitzeugen wie Nikolai Storoschenko, die von Hunger, Gewalt und familiären Verlusten berichten.
Frauen und Kinder im Fokus
Ein Schwerpunkt liegt auf den Schicksalen der Zwangsarbeiterinnen. Viele junge Frauen aus der Ukraine müssen in Küchen, an Förderbändern oder in Kokereien arbeiten. Fehlende medizinische Versorgung, Schwangerschaften und sexualisierte Gewalt gehören zu ihrem Alltag. Einige Kinder überleben die harten Bedingungen nicht.
Das Werk zeigt, dass Zwangsarbeit nicht nur Männer betrifft, sondern auch Frauen und Jugendliche, die unter unmenschlichen Bedingungen im Bergbau tätig sind. Ziel der Initiative ist es, die Erinnerung an diese Menschen wachzuhalten und den Ort Bochum-Bergen als Lern- und Gedenkort zu bewahren.
Besucher sind sich nach der Lesung einig: „Die Dauer von 90 Minuten erschien anfangs lang, aber durch die Art der Vorlesung war es spannend und berührend. Die Zeit verging sehr schnell.“
