
1_Stadtarchiv Eck bliev bie Wattsche
Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ widmet sich im April der Entstehung der kreisfreien Stadt Wattenscheid. Ein historisches Dokument gibt Einblicke in die damaligen Debatten.
Im April präsentiert das Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte eine Denkschrift aus dem Jahr 1926. Im Fokus steht die Losung „Eck bliev bie Wattsche“, die für den Wunsch nach einer eigenständigen Stadt Wattenscheid steht. Das Dokument ist Teil der monatlichen Reihe „Schaufenster Stadtgeschichte“.
Besucherinnen und Besucher können die Denkschrift vor Ort einsehen. Die Ausstellung befindet sich an der Wittener Straße und ist kostenfrei zugänglich.
Historischer Kontext der Gebietsreform
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Ruhrgebiet rasant. Die Bevölkerung wuchs stark, viele Orte entwickelten sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu größeren Städten. Damit einher ging die Notwendigkeit, Verwaltungsstrukturen neu zu ordnen.
Mit dem Gesetz über die Neuregelung der kommunalen Grenzen im rheinisch-westfälischen Industriebezirke wurde zum 1. April 1926 der Landkreis Gelsenkirchen aufgelöst. In diesem Zuge entstand die kreisfreie Stadt Wattenscheid, zu der mehrere umliegende Gemeinden zusammengeschlossen wurden.
Denkschrift als politisches Signal
Im Vorfeld der Entscheidung wurden zahlreiche Denkschriften verfasst. Sie richteten sich an politische Entscheidungsträger und sollten Einfluss auf die Gebietsreform nehmen.
Die im Stadtarchiv gezeigte Denkschrift dokumentiert nicht nur wirtschaftliche Argumente, sondern auch die Haltung der Bevölkerung. Eine damalige Abstimmung wird darin deutlich hervorgehoben:
„25.000 Wahlberechtigte […] haben sich […] für die Wiedereinführung von Stadt und Amt erklärt. Nur 1.400 Wähler wollen nach Bochum. Nur 16 Wähler wollen nach Gelsenkirchen.“
Die Zahlen verdeutlichen den starken Wunsch nach Eigenständigkeit.
Ausdruck regionaler Identität
Besonders prägnant ist die Losung „Eck bliev bie Wattsche“ im Wattenscheider Platt. Sie steht sinnbildlich für das Selbstverständnis vieler Einwohnerinnen und Einwohner jener Zeit.
Eine comicartige Zeichnung in der Denkschrift unterstreicht diese Haltung zusätzlich. Sie vermittelt anschaulich den Wunsch, unabhängig von Nachbarstädten zu bleiben und eine eigene kommunale Identität zu entwickeln.
Einblick in die Bestände des Stadtarchivs
Mit der Reihe „Schaufenster Stadtgeschichte“ stellt das Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte regelmäßig ausgewählte Objekte vor. Ziel ist es, historische Entwicklungen anhand konkreter Quellen greifbar zu machen.
Die aktuelle Präsentation zeigt, wie politische Entscheidungen, wirtschaftliche Interessen und lokale Identität im Ruhrgebiet eng miteinander verknüpft waren. Die Denkschrift von 1926 liefert dafür ein anschauliches Beispiel.
