
Selbst der friedlichste Vierbeiner kann sich erschrecken oder bedroht fühlen und schnappt im Affekt plötzlich zu. Die AOK NordWest rät, Bissverletzungen unbedingt medizinisch versorgen zu lassen.
Foto: AOK/colourbox/hfr.
Bissverletzungen durch Hunde und Katzen werden häufig unterschätzt. Fachleute warnen vor schweren Infektionen, selbst bei kleinen Wunden. Betroffene sollten frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Haustiere gehören für viele Menschen in Bochum zum Alltag. Doch auch vertraute Tiere können zubeißen. Jährlich kommt es in Deutschland zu zehntausenden Bissverletzungen. Besonders Kinder sind betroffen. Ärztinnen und Ärzte warnen vor den gesundheitlichen Folgen.
Nach Angaben von Gesundheitsexperten ereignen sich in Deutschland jedes Jahr rund 50.000 Bissverletzungen. In den meisten Fällen stammen sie von Hunden oder Katzen aus dem eigenen Haushalt oder aus der Nachbarschaft. Besonders häufig betroffen sind Kinder und Jugendliche. Rund ein Viertel der Verletzten ist jünger als sechs Jahre, weitere 34 Prozent sind zwischen sechs und 17 Jahre alt.
Infektionsgefahr wird oft unterschätzt
Auf den ersten Blick wirken viele Bisswunden harmlos. Tatsächlich können jedoch Bakterien tief ins Gewebe eindringen. „Tierbisse werden leider häufig unterschätzt, obwohl sie ein hohes Infektionsrisiko bergen“, sagt Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK in Bochum. Durch Tierbisse können unter anderem Wundstarrkrampf, Tollwut, Tularämie oder Leptospirose übertragen werden.
Kinder neigen zu schnellen Bewegungen und können die Warnsignale von Tieren oft nicht richtig einschätzen. Bei jüngeren Kindern treten Verletzungen häufig im Kopf- und Halsbereich auf. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sind meist Arme und Beine betroffen. Fachleute raten Eltern, frühzeitig über den richtigen Umgang mit Tieren zu sprechen, etwa schlafende oder fressende Tiere nicht zu stören und fremde Hunde nicht ungefragt anzufassen.
Katzenbisse mit erhöhtem Risiko
Katzenbisse kommen seltener vor als Hundebisse, gelten aber als besonders gefährlich. Der Speichel von Katzen enthält spezielle Krankheitserreger, die durch die spitzen Eckzähne tief in die Wunde gelangen. Während das allgemeine Infektionsrisiko bei Tierbissen bei zehn bis 20 Prozent liegt, steigt es bei Katzenbissen auf bis zu 50 Prozent.
Kleine Bisswunden schließen sich oft schnell und wirken oberflächlich. „Auch mit einer vermeintlich kleinen Wunde sollten Betroffene unbedingt zum Arzt gehen“, betont Kock. Unbehandelte Bissverletzungen können zu Entzündungen und dauerhaften Schäden an Muskeln, Sehnen, Nerven oder Knochen führen. Warnzeichen sind Rötungen, Schwellungen, pochende Schmerzen, Fieber oder allgemeines Unwohlsein.
In der Arztpraxis wird die Wunde fachgerecht versorgt. Bei Bedarf kommen Antibiotika zum Einsatz. Zudem wird der Tetanus-Impfschutz überprüft. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischung alle zehn Jahre, nach Verletzungen gegebenenfalls früher. Der Impfpass sollte daher mitgebracht werden.
