
Tansania Arusha 2022
(c) Jannis Göttling
Der Kronenkranich ist zum Zootier des Jahres 2026 ernannt worden. Mit der Auszeichnung soll auf den dramatischen Rückgang der Art und den Verlust afrikanischer Feuchtgebiete aufmerksam gemacht werden.
Der Kronenkranich gilt in vielen afrikanischen Kulturen als Symbol für Glück und Frieden. Gleichzeitig zählt er zu den stark bedrohten Vogelarten südlich der Sahara. Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) hat ihn nun zum Zootier des Jahres 2026 erklärt. Ziel der Kampagne ist es, den Schutz der Art und ihrer Lebensräume stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Vorgestellt wurde die Kampagne im Zoo Dresden.
Schirmherr der diesjährigen Aktion ist der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er betonte bei der Vorstellung die Bedeutung des Artenschutzes über nationale Grenzen hinweg. Der Kronenkranich sei ein sensibler Indikator für den Zustand von Ökosystemen und stehe exemplarisch für den Verlust biologischer Vielfalt.
Symboltier mit kultureller Bedeutung
Kronenkraniche erreichen eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern und leben in Feuchtgebieten und Kulturlandschaften Afrikas südlich der Sahara. In Uganda ist der Vogel Nationalwappentier und Teil der Flagge. Auch in Ruanda und Burundi gilt er als Zeichen von Glück und Wohlstand. Ökologisch spielen Kronenkraniche eine wichtige Rolle, da sie unter anderem Heuschrecken fressen und so zur Begrenzung von Schädlingspopulationen beitragen.
Trotz ihrer Bedeutung sind Kronenkraniche zunehmend bedroht. Lebensraumverlust, die Zerstörung von Feuchtgebieten und der Einsatz von Agrochemikalien setzen den Populationen zu. Hinzu kommen Kollisionen mit Stromleitungen, illegaler Wildtierhandel und Bejagung. In Ostafrika ist der Bestand in den vergangenen 40 Jahren um rund 80 Prozent zurückgegangen. In Tansania leben nach aktuellen Schätzungen nur noch etwa 2.000 Tiere.
Zoologische Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligen sich im Rahmen der Kampagne an der Aufklärung und sammeln Spenden. Die Mittel fließen in Schutzprojekte in Kenia, Tansania und Burundi. Geplant sind unter anderem die Finanzierung von Fahrzeugen für schwer zugängliche Regionen, die Ausbildung lokaler Helferinnen und Helfer sowie Maßnahmen zur Renaturierung von Lebensräumen.
Fokus auf Bildung und lokale Zusammenarbeit
Ein Schwerpunkt liegt auf Umweltbildung und nachhaltiger Landwirtschaft. Ziel ist es, den Einsatz von Chemikalien zu reduzieren und Brut- sowie Schlafbäume zu schützen oder neu zu pflanzen. Die Einbindung lokaler Gemeinden gilt dabei als zentraler Baustein für den langfristigen Erfolg der Projekte.
Auch der Tierpark + Fossilium Bochum beteiligt sich an der Kampagne. Zoodirektor Ralf Slabik sieht im Kronenkranich ein Symbol für Verständigung und Hoffnung. Als BNE-Regionalzentrum lege der Tierpark zudem einen Schwerpunkt auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und den Schutz von Feuchtgebieten.
Die Aktion „Zootier des Jahres“ besteht seit zehn Jahren. In dieser Zeit wurden Projekte zum Schutz bedrohter Arten weltweit unterstützt. Zu den bisherigen Kampagnenarten zählen unter anderem Rotohraras, Scharnierschildkröten und Riesengürteltiere. Mit der Wahl des Kronenkranichs für 2026 setzen die beteiligten Organisationen ihren Fokus erneut auf Arten, deren Lebensräume besonders stark unter Druck stehen.
