
Agit Kabayel
(c) Sebastian Sendlak
Historischer Erfolg für das Ruhrgebiet: Der Wattenscheider Boxer Agit Kabayel steigt zum ersten deutschen Schwergewichts-Champion seit Max Schmeling auf.
Es gibt Karrieren, die beginnen im hellen Scheinwerferlicht großer Arenen – und es gibt jene, die im Schatten entstehen. In den engen Straßen des Ruhrgebiets, zwischen dem Motorenlärm vorbeiziehender Busse und auf nacktem Beton wuchs Agit Kabayel auf. 1992 in Bochum-Wattenscheid geboren, mit kurdischen Wurzeln aus der Türkei, startete er ohne Privilegien ins Leben. Bevor die Boxwelt seinen Namen kannte, verdiente er sein Geld im schweren Gleisbau. Doch zwischen Schotter und Stahl schlug bereits das Herz eines Kämpfers. Im Boxsport fand er schließlich seine wahre Mission: einen Ort, an dem Herkunft keine Rolle spielt, Talent nicht verhandelbar ist und der eigene Wille zum alles entscheidenden Faktor wird. Nun hat sich die jahrelange harte Disziplin des 33-Jährigen ausgezahlt, denn er steht am absoluten Gipfel der Sportwelt.
Auf den Spuren von Box-Legende Max Schmeling
Der Box-Weltverband WBC (World Boxing Council) hat den Bochumer offiziell zum neuen Weltmeister im Schwergewicht erklärt. Damit ist Kabayel der erste deutsche Titelträger in der Königsklasse des Boxens seit Max Schmeling, der den Gürtel bis zum Jahr 1932 hielt. Der historische Coup wurde möglich, nachdem der bisherige ukrainische Champion Oleksandr Usyk überraschend angekündigt hatte, seine Titel mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Da im Profiboxen mehrere konkurrierende Verbände existieren, küren diese jeweils eigene Champions. Der ungeschlagene Wattenscheider, der all seine bisherigen 27 Profi-Kämpfe im Ring siegreich bestreiten konnte, rückt durch den Beschluss des Verbandes nun an die Spitze der prestigeträchtigen WBC.
„Unglaublich. Ab heute bin ich WBC-Weltmeister im Schwergewicht“, schrieb Kabayel sichtlich bewegt in einem Beitrag auf der Plattform Instagram. Worte könnten nicht beschreiben, was er in diesem Moment empfinde, und der Dank ginge an jeden Einzelnen für die Unterstützung auf diesem harten Weg. Dieser Erfolg gehöre uns allen, so der stolze Bochumer weiter. Er kündigte zudem an, dass er alles daransetzen wolle, diesen Gürtel für eine lange Zeit zu halten und seiner sportlichen Sammlung in der Zukunft noch weitere Titel hinzuzufügen. WBC-Präsident Mauricio Sulaiman bestätigte die Entscheidung des Vorstandes am Samstag ebenfalls im Netz und zeigte sich auf einem Foto Arm in Arm mit dem frischgebackenen Weltmeister.
Der Verband ordnete das Duell zuvor offiziell an
Die Titelübergabe am grünen Tisch beendet eine längere Phase des Wartens für den deutschen Schwergewichtler. Der bisherige Champion Usyk hatte seinen WBC-Titel zuletzt im ägyptischen Gizeh erfolgreich gegen den Niederländer Rico Verhoeven verteidigt. Kabayel war damals unmittelbar nach dem Kampf in den Ring gestiegen, um seine lautstarke Forderung nach einem direkten Duell zu wiederholen, worauf der Ukrainer jedoch ausweichend reagierte. Da die WBC den Pflichtkampf zwischen den beiden Kontrahenten zuletzt offiziell angeordnet hatte, zog sich Usyk nun zurück. Ein Karriereende schloss der 39-jährige Ukrainer indes aus und kündigte an, dass da noch mehr kommen werde. Für Kabayel beginnt nun die Ära der Titelverteidigung.
