
Fußball
Ein Bochumer Sozialwissenschaftler analysiert Ausgrenzung im Sport. Das Werk bietet wichtige Ansätze für mehr Gerechtigkeit auf dem Platz.
Diskriminierung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind Alltag – auf dem Platz, am Spielfeldrand, in der Fankurve, im Vereinsheim oder online. Der Sozialwissenschaftler Dr. David Johannes Berchem, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Ethnologie der Ruhr-Universität Bochum, unternimmt in seinem neuen Buch „Wenn Fußball ausgrenzt. Diskriminierung wirksam begegnen“ eine tiefgehende Analyse von Ausschlussmechanismen im Fußball. Das Buch ist im Mai 2026 im Verlag Kohlhammer erschienen. Diese Veröffentlichung kommt zu einer Zeit, in der das Thema gesellschaftlich und sportlich so intensiv diskutiert wird wie selten zuvor. Der fundierte Blick des Experten sorgt nun für neue, wichtige Impulse in der Debatte im gesamten Ruhrgebiet.
David Johannes Berchem von der Ruhr Universität Bochum forscht über Rassismus
Berchem gehört zur Leitung der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW), die seit 2022 von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens gefördert wird. Die Stelle sammelt über ein landesweites Portal Meldungen von Diskriminierungsvorfällen im Fußball und wertet diese aus. Das neue Buch bietet einen analytischen, systematischen und praxisbezogenen Deep Dive in das Thema Diskriminierung im Fußball. Das Herzstück sind ausführliche Informationen über Diskriminierungsvarianten und Ausgrenzungsdynamiken. In den Blick genommen werden Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Antisemitismus, Ableismus, Antimuslimischer Rassismus, Klassismus und Antiziganismus beziehungsweise Gadjé-Rassismus.
Einsichten gewähren diese Kapitel auch über die rechtsextreme Erlebniswelt und den türkischen Rechtsextremismus. Die Grundlage der Analyse sind die bisher über 3.700 anonym gemeldeten Vorfälle zu Diskriminierungstatbeständen im Fußball, die der MeDiF-NRW aktuell vorliegen. Auf der Basis der tiefgehenden Bestandsaufnahme fragt Berchem schließlich: Was tun? Der Autor sensibilisiert für einzelne Diskriminierungsformen, hinterfragt routinierte Verständnisse und liefert alltagstaugliche Anstöße für Veränderung.
Vorlesung zur Diskriminierungskritik im Fußball startet im Sommersemester
„Das Buch ist ein unverzichtbares Werk für alle, die Ausgrenzung entgegentreten und für mehr Gerechtigkeitin der Fußballkultur sorgen wollen“, so Berchem. Die praxisnahen Forschungsergebnisse des Buches werden im Sommersemester 2026 an der Fakultät für Sozialwissenschaft bereits in die Lehre integriert. Sie sind Gegenstand in der Vorlesung „Diskriminierungskritik im Fußball. Theorieansätze – Phänomenbereiche – Interventionsstrategien“. So schlägt das wissenschaftliche Werk direkt die Brücke von der Theorie in die tägliche Praxis der Bochumer Studierenden. Die Erkenntnisse dürften weit über den Campus hinaus für reichlich Gesprächsstoff in den Vereinsheimen der Region sorgen.
