
Stadtrat Bochum 2025-30
Die politischen Gremien in Bochum haben einstimmig den Weg für einen Ratsbürgerentscheid zur Olympia-Bewerbung Rhein-Ruhr freigemacht.
In der Debatte äußerten die Fraktionen unterschiedliche Bewertungen des Projekts, betonten aber übereinstimmend die Bedeutung der Bürgerbeteiligung.
Bochum will die Bürgerinnen und Bürger über eine mögliche Beteiligung an Olympischen und Paralympischen Spielen abstimmen lassen. Der entsprechende Antrag der Stadtverwaltung wurde in allen beteiligten Gremien einstimmig beschlossen. Zur Diskussion stand nicht die Bewerbung selbst, sondern die Frage nach dem Bürgerentscheid. Dennoch nutzten die Fraktionen die Gelegenheit, ihre grundsätzlichen Positionen darzulegen. Oberbürgermeister Jörg Lukat verwies auf transparente Beteiligungsmöglichkeiten für alle politischen Gruppen.
Einstimmiges Votum für den Bürgerentscheid
Mit dem einstimmigen Votum der politischen Gremien ist der Ratsbürgerentscheid zur Olympia-Bewerbung der Region Rhein-Ruhr formal auf den Weg gebracht. Die Abstimmung soll den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, über eine Beteiligung Bochums an Olympischen und Paralympischen Spielen zu entscheiden. Der Antrag dazu stammt von der Stadtverwaltung.
Breite Zustimmung zur Bürgerbeteiligung
Über Parteigrenzen hinweg wurde der Bürgerentscheid als zentrales Instrument hervorgehoben. Dr. Steude von den Stadtgestaltern sprach von einem „wichtigen Werkzeug“, um eine so weitreichende Frage demokratisch zu klären. Auch die CDU betonte mehrfach, dass eine Entscheidung dieser Größenordnung nicht „über die Köpfe der Menschen hinweg“ getroffen werden dürfe. Die Bürger seien mündig genug, sich eine eigene Meinung zu bilden und darüber abzustimmen.
Die UWG – Freie Bürger schloss sich dieser Sicht an. Fraktionsvertreter Lücking erklärte, es sei selbstverständlich, dass die Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden sollen.
Unterschiedliche Bewertungen der Olympia-Bewerbung
Inhaltlich gingen die Einschätzungen zur Olympia-Bewerbung deutlich auseinander. Die CDU stellte klar, dass sie grundsätzlich hinter einer Olympia-Ausrichtung stehe, zugleich aber die Überzeugung der Bevölkerung notwendig sei. Olympia biete auch für das Ruhrgebiet eine große Chance, von Investitionen und internationaler Aufmerksamkeit zu profitieren.
Auch die FDP verwies auf Chancen. Der Verweis auf das Jahr 2036 könne nicht nur kritisch gesehen werden, sondern auch als Möglichkeit, ein weltoffenes und demokratisches Bild Deutschlands zu zeigen.
Die Grünen sprachen sich für einen nachhaltigen Entscheid zugunsten Olympischer Spiele im Ruhrgebiet aus. Fraktionssprecher Sebastian Pewny kritisierte zugleich die Haltung der Linken und verwies darauf, dass diese noch vor wenigen Wochen für Olympia und gegen einen Bürgerentscheid argumentiert habe. Das Ruhrgebiet stehe wie kaum eine andere Region für Weltoffenheit und internationale Integration.
Deutliche Kritik von der Linken
Die Linke äußerte grundlegende Vorbehalte gegen die Olympia-Bewerbung. Sie bezeichnete das Vorhaben als ambitioniert, warnte jedoch vor unklaren Kosten und Zielen. In der Vergangenheit seien Olympische Spiele deutlich teurer geworden als geplant, mögliche Verluste könnten letztlich die Bürgerinnen und Bürger belasten.
Zudem verwies die Linke auf soziale Folgen früherer Spiele, etwa steigende Mieten, und stellte die Nachhaltigkeit des Projekts infrage. Kritisch gesehen wird auch das mögliche Austragungsjahr 2036, genau 100 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1936, die von den Nationalsozialisten propagandistisch genutzt wurden. Eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Olympischen Komitee lehnte die Linke ebenfalls ab und verwies auf wiederholte Korruptionsvorwürfe gegen das IOC.
SPD mahnt zur Trennung von Verfahren und Inhalt
Die SPD kritisierte, dass bereits eine ausführliche Für-und-Wider-Debatte zur Olympia-Bewerbung geführt werde. Gegenstand der Entscheidung sei zunächst allein der Bürgerentscheid. Zugleich betonte die SPD, Politik müsse sich den Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern stellen. Das Ruhrgebiet sei im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt, um eine solche Aufgabe zu bewältigen.
Transparente Positionierung angekündigt
Oberbürgermeister Jörg Lukat kündigte an, dass alle politischen Gruppen ihre Positionen zur Olympia-Bewerbung auf der Internetseite der Stadt darstellen können. Ziel sei es, den Bürgerinnen und Bürgern vor der Abstimmung eine umfassende und transparente Information zu ermöglichen.
