
Projekt mit Zukunft: U35 Social Line
(c) Sebastian Sendlak
Eine besondere U-Bahn-Fahrt auf der Linie U35 hat in Bochum für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Projekt „Social Line“ bringt Menschen ins Gespräch und setzt ein Zeichen gegen Einsamkeit im Alltag.
Eine vollkommen ausgebuchte U-Bahn ist am Donnerstagabend gleich mehrfach zwischen Riemke und Hustadt unterwegs gewesen. Anlass war der Start der sogenannten „U35 Social Line“. Organisiert wurde das Projekt vom Verein „Vereint Bochum“. Ziel ist es, Begegnungen zu ermöglichen und Einsamkeit entgegenzuwirken. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Erwachsene, Studierende und Berufseinsteiger, die neu in Bochum sind oder ihre sozialen Kontakte erweitern möchten. Eine Teilnahme ist kostenlos. Die erste Fahrt stieß auf großes Interesse bei Teilnehmenden, Stadt und Medien.
Alle Fahrten der Social Line waren vollständig ausgelastet. In der Bahn bildeten sich kleinere Gesprächsgruppen, teils auch größere Runden. Die Gespräche finden in einem moderierten Rahmen statt. Respektvoller Umgang und Freiwilligkeit gelten als zentrale Voraussetzungen für die Teilnahme. Viele Teilnehmende kamen erstmals bewusst miteinander ins Gespräch. Nach Angaben der Organisatoren war die Resonanz durchweg positiv. Auch der Zuspruch aus der Stadtgesellschaft fiel deutlich aus.

Die Aktion wurde von der Stadtspitze und der BOGESTRA begleitet. Die BOGESTRA unterstützt das Projekt organisatorisch und logistisch. Der reguläre Linienbetrieb der U35 bleibt während der Aktion unverändert. Oberbürgermeister Jörg Lukat nahm an einer Fahrt teil und zeigte sich offen beeindruckt von den Begegnungen und ersten Rückmeldungen. Bogestra-Pressesprecher Christoph Kollmann verwies auf die organisatorische Herausforderung. Die Idee sei erst im Dezember entstanden. Die Einbindung einer einzelnen Bahn in den laufenden Takt der U35 sei nicht unkompliziert gewesen.
Einsamkeit als zentrales Thema
Inhaltlich steht das Projekt unter dem Zeichen sozialer Nähe. Vorstandsmitglied Dr. Bastian Hartmann erklärte: „Einsamkeit ist, wenn man weniger Menschen um sich hat für eine engere Bindung, als man gerne möchte.“ Genau hier setze die Social Line an. Ziel sei es, niedrigschwellige Begegnungen im Alltag zu schaffen. Die U-Bahn werde so für einen begrenzten Zeitraum zum sozialen Raum.
Auch Teilnehmende äußerten sich positiv. Einer der Fahrgäste berichtete, dass viele Menschen täglich dieselbe Bahn nutzten, ohne miteinander zu sprechen. „Das ändert sich jetzt“, sagte er. Der starke Medienandrang sei stellenweise störend gewesen. Die Grundidee habe dennoch überzeugt. Wichtig sei bei solchen Formaten ein geschützter Rahmen, um neue soziale Kontakte entstehen zu lassen.
Hinter dem Projekt steht der Verein „Vereint Bochum“. Er versteht gesellschaftlichen Zusammenhalt als Aufgabe des Alltags. Der Verein setzt auf Begegnung, Dialog und Teilhabe. Er positioniert sich parteipolitisch unabhängig und gleichzeitig klar gegen Ausgrenzung, Extremismus und Diskriminierung.. Ziel ist eine offene und vielfältige Stadtgesellschaft.
Zum Abschluss der ersten Social Line kamen viele Beteiligte in der Hauptverwaltung der BOGESTRA zu einem gemeinsamen Austausch zusammen. Dort überwogen lachende Gesichter und positive Rückmeldungen. Für die Organisatoren ist das ein Hinweis auf Erfolgsaussichten. Weitere Fahrten dieser Art gelten als wahrscheinlich. Die Organisatoren schlossen bereits im Vorfeld weitere Termine mit ähnlichen Formaten nicht aus.
