Beitrag: Psychologie: Warum wir glauben, was wir anklicken
Angeklickt ist halb geglaubt – wenn wir Informationen selbst wählen, neigen wir besonders dazu, sie für wahr zu halten.

© RUB, Marquard

Eine Bochumer Studie zeigt, dass Informationen glaubwürdiger erscheinen, wenn Nutzer sie selbst auswählen. Der Effekt betrifft auch Falschinformationen in digitalen Medien.

Warum halten Menschen bestimmte Informationen für wahr, andere nicht? Eine Forschungsgruppe der Ruhr-Universität Bochum hat einen bekannten psychologischen Effekt erneut untersucht. Dabei ging es um die Rolle von Wiederholung und eigener Auswahl beim Konsum digitaler Inhalte. Die Ergebnisse zeigen einen verstärkten Einfluss durch aktive Klickentscheidungen. Veröffentlicht wurden sie Anfang Januar 2026 in einer internationalen Fachzeitschrift.

Der sogenannte Truth-Effekt ist seit rund 50 Jahren bekannt. Er beschreibt das Phänomen, dass Menschen Aussagen eher für wahr halten, wenn sie ihnen mehrfach begegnen. Forschende der Ruhr-Universität Bochum konnten nun zeigen, dass sich dieser Effekt verstärkt, wenn Nutzende Informationen selbst auswählen. Schon das Anklicken einer Überschrift reicht aus, damit deren Inhalt später glaubwürdiger erscheint.

Acht Experimente mit rund 1.000 Teilnehmenden

Das Team um Dr. Moritz Ingendahl vom Lehrstuhl für Soziale Kognition führte acht Online-Experimente mit knapp 1.000 Teilnehmenden durch. Den Probandinnen und Probanden wurden kurze Informationssätze präsentiert. Diese erschienen entweder zufällig oder passend zu zuvor gewählten Themenfeldern. Anschließend sollten die Teilnehmenden den Wahrheitsgehalt bekannter und neuer Aussagen bewerten.

„Wir konnten bestätigen, dass wiederholte Informationen als glaubwürdiger eingeschätzt werden als neue“, erklärt Moritz Ingendahl. „Zusätzlich zeigte sich, dass dieser Effekt stärker ausfällt, wenn die Informationen zuvor aktiv ausgewählt wurden.“

Besonders relevant sind die Ergebnisse für digitale Plattformen. In sozialen Medien entscheiden Nutzende selbst, welchen Accounts sie folgen und welche Inhalte sie anklicken. Dadurch entsteht eine persönliche Auswahl, die Wiederholungen begünstigt. Informationen, denen mehr Vertrauen entgegengebracht wird, werden zudem häufiger geteilt und weiterverbreitet.

Online-Angebote arbeiten häufig mit kurzen Anrissen, die erst nach einem Klick vollständig sichtbar werden. Auch dieser Mechanismus kann den beschriebenen Effekt verstärken.

Aufmerksamkeit und Erinnerung als Erklärung

Die Forschenden vermuten die Ursache in der kognitiven Verarbeitung. Aktive Informationssuche geht mit höherer Aufmerksamkeit einher. „Aktiv ausgewählte Inhalte werden intensiver verarbeitet“, so Ingendahl. In den Experimenten erinnerten sich die Teilnehmenden später besser an Informationen, die sie selbst angeklickt hatten.

Der verstärkte Truth-Effekt kann die Verbreitung von Falschinformationen begünstigen. Wiederholte und aktiv ausgewählte Inhalte erscheinen glaubwürdiger, auch wenn sie sachlich falsch sind. Gleichzeitig sehen die Forschenden Potenzial für geprüfte Informationen. Faktenchecks könnten ebenfalls profitieren, wenn sie so gestaltet sind, dass sie aktiv ausgewählt werden.

Auch im Journalismus stellt die Informationsflut eine Herausforderung dar. Falschmeldungen verbreiten sich schnell und sind nicht immer eindeutig erkennbar. Fehler können dadurch unbeabsichtigt weitergegeben werden.

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