
Pressekonferenz Uwe Rösler
(c) Sebastian Sendlak
VfL-Chefcoach Uwe Rösler holte 37 Punkte aus 24 Spielen. Seine Mannschaft zeigt aber auch zwei unterschiedliche Gesichter: zu Hause „hui“ und auswärts „pfui“. Was sind jetzt die Herausforderungen für Trainer und Verein für die Transferphase im Sommer?
Das 1:1-Unentschieden am letzten Samstag auf der Bielefelder Alm brachte den lange ersehnten 40. Punkt auf der Bochumer Habenseite und sorgte dafür, dass der VfL auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen kann. Denn durch den Sieg von Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf können die Bochumer – vor allem auch wegen des sehr guten Torverhältnisses – auch dann nicht mehr absteigen, wenn der VfL die letzten beiden Spiele (zu Hause gegen Hannover 96 und auswärts in Karlsruhe) verlieren sollte.
Das Spiel gegen Bielefeld machte aber auch das große Dilemma des VfL in der Spielzeit 2025/2026 deutlich: die zwei ganz unterschiedlichen Gesichter der Bochumer Mannschaft. In der ersten Halbzeit spielte Bochum – wie so oft bei Auswärtsspielen – „katastrophal“. Zu passiv und mit wenig Zugriff auf das Spiel. In der zweiten Halbzeit verbesserte sich Bochum und zeigte sein „Heimspielgesicht“. Mit Tempo und schnellen Gegenstößen nach Ballgewinn. Das beste Beispiel ist der Konter des VfL zum 1:1 durch Kwarteng, an dem Horn und Afa-Ruprecht wichtige Anteile hatten, und der zeigte, dass Bochum in dieser Saison auch durch Tempofußball begeistern konnte.
Dies gelang aber auswärts fast nie. Trotzdem trugen die Punktgewinne auswärts in Berlin und jetzt auswärts in Bielefeld auch dazu bei, dass Bochum nicht den bitteren Gang in die 3. Liga antreten muss. Und dies ist ein Verdienst des Teams um Cheftrainer Uwe Rösler, das mit einem Mix aus jungen und alten (Leih‑)Spielern die Bochumer Mannschaft (meistens) stabilisieren konnte. Dass es am Ende noch mal eng wurde, lag sicherlich auch daran, dass viele junge und alte Spieler „öfter ranmussten, als geplant war“, wie Uwe Rösler kürzlich in einer Pressekonferenz sagte.
Bochum gilt – zu Recht – als „top“ in der Ausbildung junger Spieler, aber die Qualität und die Breite des Kaders waren oft in dieser Saison Grund für Diskussionen in den Medien und bei den blau-weißen Fans. Diese zeigten in dieser Saison durchweg eine „erstklassige“ Leistung und hatten zudem auch ein feines Gespür dafür, was beim VfL in dieser Saison – nach dem katastrophalen Start – überhaupt (noch) möglich war. Als der VfL wieder halbwegs „in der Spur“ war, reichte es oft nur für ein „Unentschieden“, da die Kräfte nachließen und der Kader nicht immer die Qualität hatte, personell nachzulegen.
Rösler: „Jetzt müssen wir nach vorn blicken und die Personalabteilung hat einen wichtigen und arbeitsreichen Sommer vor sich.“
In einem Instagram-Post nach dem Bielefeld-Spiel schrieb VfL-Chefcoach Uwe Rösler (auf Englisch, übersetzt mit DeepL): „Es war eine äußerst schwierige Situation, in die wir geraten sind. Das Verdienst gebührt den Spielern und dem Trainerstab, die die notwendigen Veränderungen vollkommen angenommen haben. Ich bin wirklich erleichtert, meinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass dieser legendäre Fußballverein in der Liga bleibt.“
Damit verdeutlichte er die großen Herausforderungen, die der VfL in dieser Saison meistern musste. Und diese lagen auf dem Rasen, aber auch daneben. Denn Bochum musste – aufgrund der finanziellen Situation – vor allem auf Leihspieler oder Spieler ohne hohe Ablösesumme setzen. Große Sprünge waren beim VfL nicht möglich.
„Jetzt müssen wir nach vorn blicken und die Personalabteilung hat einen wichtigen und arbeitsreichen Sommer vor sich“, schreibt Uwe Rösler weiter in seinem Instagram-Post. Damit benennt er die größte Herausforderung für die neue Saison, in der der VfL – wieder einmal – vor einem großen personellen Umbruch steht und in der zudem – ab Sommer/Herbst 2026 – neue Herausforderungen mit dem Stadionumbau bevorstehen.
Kaderumbruch – hohe Transfererlöse winken – kluge Investitionen notwendig
Durch die kolportierten, aber noch nicht bestätigten, Abgänge von Lenz und Hofmann könnte Bochum – nach Transfermarkt.de – bis zu zehn Millionen Euro einnehmen. Geld, das der VfL auch – anders als in den letzten beiden Transferfenstern – auch größtenteils wieder in die Mannschaft investieren sollte. Auf der Suche nach „klugen“ Investitionen kommen Uwe Rösler und Simon Zoller sowie Ilja Kaenzig zentrale Rollen zu.
Ilja Kaenzig hat zudem noch die Findung eines neuen Namensgebers und Trikotsponsors ab dem 30. Juni 2026 auf der Aufgabenliste, da der Vertrag mit VONOVIA nach zehn Jahren planmäßig nach dieser Saison ausläuft. Viel zu tun für den einzigen VfL-Geschäftsführer, der den Verein finanziell wieder in stabile Gewässer geführt und das Projekt Stadionumbau vorangetrieben hat. Entlastung könnte womöglich die Anstellung eines zusätzlichen Geschäftsführers „Sport“ geben. In der englischen Liga, die Cheftrainer Uwe Rösler gut kennt und schätzt, gäbe es dort vielleicht geeignete Kandidaten, aber sicherlich auch im deutschsprachigen Raum. Hier zählen Erfahrung und ein gutes Netzwerk. Gemeinsam mit Rösler und Zoller wäre dies ein gutes Dreier‑Team, um den bevorstehenden Kaderumbruch im Sommer erfolgreich zu gestalten.
