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(c) Agentur für Arbeit
Der Arbeitsmarkt in Bochum kommt auch im Frühjahr 2026 nicht in Schwung. Statt der sonst üblichen saisonalen Belebung verzeichnet die Stadt im April einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Hoffnung auf eine Trendwende bleibt vorerst unerfüllt.
Insgesamt waren im April 18.539 Menschen arbeitslos gemeldet – das sind 445 Personen mehr als im März und 667 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 9,2 Prozent und liegt damit ebenfalls um 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig, lassen sich aber klar benennen: Eine anhaltende Konjunkturschwäche, steigende Kosten und eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Unternehmen bremsen den Arbeitsmarkt spürbar aus. In der Folge kommt es nicht nur zu weniger Neueinstellungen, sondern teilweise auch zu Stornierungen von Arbeits- und Ausbildungsstellen.
„Der Arbeitsmarkt wird in den kommenden Jahren stark vom demografischen Wandel geprägt sein“, erklärt Christopher Meier, Leiter der Agentur für Arbeit Bochum. Viele Unternehmen stünden aktuell vor einem Dilemma: Einerseits sei der Bedarf an Fachkräften hoch, andererseits erschwerten wirtschaftliche Unsicherheiten Investitionen in Personal und Ausbildung. „Wer heute in Ausbildung investiert, sichert die Fachkräfte von morgen“, betont Meier.
Während viele Branchen rückläufige Beschäftigtenzahlen melden, zeigen sich einige Bereiche weiterhin stabil. Vor allem in Pflege, Gesundheit und Erziehung werden regelmäßig neue Stellen geschaffen oder Ausbildungsverträge abgeschlossen. Der steigende Bedarf durch eine alternde Gesellschaft und der Ausbau der Kinderbetreuung sorgen hier für kontinuierliche Nachfrage.
Ausbildungsmarkt mit gemischtem Bild
Auf dem Ausbildungsmarkt zeigt sich eine leicht positive Entwicklung bei den gemeldeten Stellen: Seit Oktober 2025 wurden 1.923 Ausbildungsplätze registriert – ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber leicht rückläufig: 1.702 junge Menschen meldeten sich, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Dennoch bleibt die Lücke bestehen: Ende April waren noch 956 Bewerber unversorgt, während 1.218 Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Ein strukturelles Problem, das sowohl Betriebe als auch Jugendliche vor Herausforderungen stellt.
Langzeitarbeitslosigkeit bleibt hoch
Besonders besorgniserregend ist weiterhin die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Insgesamt 7.309 Menschen in Bochum sind seit mehr als einem Jahr ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Der Großteil – rund 92,5 Prozent – ist in der Grundsicherung gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl leicht gestiegen, im Jahresvergleich jedoch nahezu stabil geblieben.
Ein differenzierter Blick zeigt: Die Arbeitslosigkeit unter älteren Menschen (über 50 Jahre) ist deutlich gestiegen. 6.494 Betroffene bedeuten ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auch im Jahresvergleich ist ein Anstieg zu verzeichnen.
Die Jugendarbeitslosigkeit hingegen zeigt sich stabil: 1.365 unter 25-Jährige sind aktuell arbeitslos gemeldet – unverändert zum Vormonat, jedoch leicht über dem Vorjahresniveau.
Weniger offene Stellen als im Vorjahr
Zwar wurden im April 529 neue Stellenangebote gemeldet – ein leichtes Plus gegenüber März –, doch im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 61 Stellen gesunken. Insgesamt befinden sich aktuell 3.151 offene Stellen im Bestand, ebenfalls weniger als im Vorjahr.
Ein umfassenderes Bild ergibt die sogenannte Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen oder Sonderstatus berücksichtigt. Hier liegt die Zahl im April bei 22.792 Personen – ein Anstieg sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahr.
