
Meet and Greet mit dem Prinzenpaar
(c) Sebastian Sendlak
Karneval gilt heute als buntes Volksfest. Seine Ursprünge liegen jedoch im christlichen Kalender. Auch jenseits regionaler Hochburgen prägt das Verhältnis von Kirche und Karneval bis heute Struktur, Rituale und Zeitpunkte der närrischen Tage.
Fastnacht, Fasching oder Karneval sind regional unterschiedlich ausgeprägt, folgen aber einem gemeinsamen historischen Kern. Der Brauch entstand aus dem Wechsel von Ausgelassenheit und Verzicht. Die enge Verbindung zur Kirche erklärt viele Elemente, die heute als rein folkloristisch wahrgenommen werden. Der Karneval ist damit nicht nur Kultur, sondern auch Ausdruck religiöser Ordnung.
Der Karneval ist fest im christlichen Jahreslauf verankert. Er markiert die Zeit vor der 40-tägigen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt. In dieser Phase galt es traditionell, auf Fleisch, Alkohol und üppige Speisen zu verzichten. Der Karneval bot Raum für einen bewussten Gegenpol: Feiern vor dem Fasten.
Der häufig genannte Ursprung des Begriffs „Karneval“ wird auf das lateinische „carne vale“ zurückgeführt – „Fleisch, lebe wohl“. Damit beschreibt der Name selbst den Übergang vom Überfluss zur Enthaltsamkeit.
Die Bedeutung der Zahl Elf
Ein zentrales Symbol des Karnevals ist die Zahl Elf. Sie gilt als Narrenzahl und taucht bis heute im Auftakt der Session um 11.11 Uhr auf. Ihre Bedeutung ist religiös geprägt: Die Elf steht außerhalb der göttlichen Ordnung. Sie überschreitet die Zehn Gebote und bleibt unter den zwölf Aposteln.
Gleichzeitig symbolisiert sie Gleichheit. Zwei identische Ziffern ohne Hierarchie. Dieser Gedanke passte zum Karneval als Zeit, in der gesellschaftliche Rollen aufgehoben wurden und Standesunterschiede zeitweise keine Rolle spielten.
Mit der Reformation veränderte sich die Bedeutung des Karnevals. In evangelisch geprägten Regionen verlor der Brauch an Stellenwert. Ohne verpflichtende Fastenzeit fehlte der religiöse Rahmen, der das Fest legitimierte. In katholisch geprägten Gebieten blieb der Karneval hingegen Bestandteil des Jahresrhythmus.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Karneval vielerorts neu organisiert. Vereine, Komitees und feste Abläufe entstanden. Der ursprünglich spontane Volksbrauch erhielt klare Strukturen, blieb aber in seiner religiösen Verankerung erkennbar.
Gottesdienst und Aschermittwoch
Bis heute gehört in vielen Regionen ein Gottesdienst zum Karneval dazu. Nicht als Feier des Festes, sondern als Begleitung der Menschen, die es gestalten. Der Übergang vom Karneval zur Fastenzeit ist bewusst scharf gezogen.
Der Aschermittwoch markiert das Ende der Ausgelassenheit. Mit dem Aschenkreuz beginnt die Zeit der Besinnung. Dieser Bruch ist Teil des Konzepts. Er unterstreicht, dass der Karneval kein Selbstzweck ist, sondern ein zeitlich begrenzter Ausnahmezustand.
Karneval hatte schon immer eine kritische Funktion. Satire, Spott und Überzeichnung richteten sich auch gegen Kirche und Obrigkeit. Diese Spannungen gehören historisch zum Brauch. Karneval war nie nur Zustimmung, sondern auch Ventil für Kritik.
Auch heute wird über Grenzen diskutiert. Der Umgang mit religiösen Symbolen, kirchlichen Skandalen oder gesellschaftlichen Konflikten zeigt, dass Karneval weiterhin ein Spiegel gesellschaftlicher Debatten ist.
