
Flag Football ist 2028 bei Olympia dabei
(c) Sebastian Sendlak
Mit der Einrichtung eines Landesleistungsstützpunkts für Flag Football im Sportpark Lohrheide setzt Bochum ein sportpolitisches Signal. Stadt, Verband und Olympiastützpunkt bündeln ihre Kräfte. Der Fokus liegt auf Nachwuchs, Strukturaufbau und langfristiger Entwicklung.
Im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid ist ein neuer Landesstützpunkt für Flag Football vorgestellt worden. Vertreter der Stadt Bochum, des American-Football-Verbands NRW und des Olympiastützpunkts NRW Westfalen skizzierten Ziele und Perspektiven. Flag Football gewinnt im Zuge seiner olympischen Aufnahme an Bedeutung. Gleichzeitig steht der deutsche Football nach dem Rückzug der Herren-Tackle-Nationalmannschaft aus der EM vor einem Umbruch.
Oberbürgermeister Jörg Lukat betonte bei der Pressekonferenz die enge Verbindung zwischen Stadt und Sport. Bochum sei ohne Sport nicht zu denken. Die Ansiedlung des Landesstützpunkts passe zur sportlichen Identität der Stadt. Der modernisierte Sportpark Lohrheide biete dafür die passenden Rahmenbedingungen. In den vergangenen Jahren seien mit Unterstützung des Landes mehrere Millionen Euro investiert worden.
Die Vergabe der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften und frühere internationale Veranstaltungen wertete Lukat als Vertrauensbeweis. Bochum wolle sich bewusst auch über den Fußball hinaus als Standort für unterschiedliche Sportarten entwickeln.
Flag Football rückt in den Mittelpunkt
Der Landesstützpunkt richtet seinen Fokus auf Flag Football, eine kontaktarme Variante des American Football. Die Sportart wird 2028 erstmals olympisch sein. Peter Springwald, Präsident des AFCV NRW, sprach von einer dynamischen Entwicklung. In Nordrhein-Westfalen sind inzwischen 36 Vereine im Flag Football aktiv. Die Mitgliederzahlen wachsen seit Jahren deutlich.
Insbesondere im Jugendbereich verzeichnet der Verband starke Zuwächse. Schulprogramme und Landesmeisterschaften tragen zur Verbreitung bei. Flag Football gelte als niedrigschwelliger Einstieg, vor allem für Kinder und Jugendliche.
Die strategische Ausrichtung auf den Nachwuchs gewinnt auch vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen im deutschen Football an Bedeutung. Vor zwei Tagen hatte der Bundesverband beschlossen, die Herren-Tackle-Nationalmannschaft aus Kostengründen für zwei Jahre aus dem EM-Betrieb zurückzuziehen. Internationale Schlagzeilen um private Investorenligen verstärken den Druck auf die Verbandsstrukturen.
Springwald machte deutlich, dass Flag Football helfen könne, den Sport insgesamt stabiler und breiter aufzustellen. Ziel sei es, junge Talente frühzeitig zu binden und langfristig auszubilden.
Enge Anbindung an den Olympiastützpunkt
Der Landesstützpunkt profitiert von der Nähe zum Olympiastützpunkt NRW Westfalen. Dessen Leiterin Julia Hänel erläuterte die Unterstützungsangebote. Dazu zählen physiotherapeutische Betreuung, sportpsychologische Begleitung, Laufbahnberatung und Leistungsdiagnostik. Auch Landeskaderathletinnen und -athleten können in begrenztem Umfang eingebunden werden.
Besondere Bedeutung misst Hänel der Verbindung von Schule und Sport bei. Am Standort Wattenscheid bestehen etablierte Kooperationen mit mehreren Schulen, darunter eine NRW-Sportschule und eine Eliteschule des Sports.
Fabian Pawlowski, Vizepräsident des AFCV NRW und Flag-Football-Beauftragter, sprach von einem Meilenstein für den Verband. Der organisierte Spielbetrieb existiert in NRW seit Jahren, sei aber lange unterschätzt worden. Mit dem Landesstützpunkt gehe es nun um nachhaltige Strukturen, Trainerqualifikation und Schiedsrichterausbildung.
Auch im Mädchenbereich sieht der Verband Entwicklungsbedarf. Separate Sichtungen und Förderangebote sollen künftig ausgebaut werden.
Leitung mit regionaler Verwurzelung
Die sportliche Verantwortung am Standort übernimmt Sammy Schmale als Leiter des Landesstützpunkts. Der frühere Profi und Diplom-Sportlehrer sieht den Stützpunkt als langfristiges Projekt. Geplant ist ein mehrjähriger Aufbauprozess mit klaren Schwerpunkten: Vereinsarbeit, Trainerausbildung, Leistungsentwicklung und schulische Integration.
Schmale betonte, dass der Leistungssportgedanke stets mit Bildung verbunden bleiben müsse. Der Stützpunkt solle kein Ersatz für Vereinsarbeit sein, sondern als Ergänzung und Wissenszentrum wirken.
Mit dem Landesstützpunkt entsteht in Bochum ein neues Zentrum für Flag Football. In einer Phase, in der der deutsche Football vor strukturellen Herausforderungen steht, setzt der Standort auf Kontinuität und Nachwuchsarbeit. Ob daraus auch sportliche Erfolge auf internationaler Ebene entstehen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Grundlagen werden langfristig gelegt.
