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Kunstmuseum Bochum
Das Kunstmuseum Bochum ist das jüngste Baudenkmal der Stadt. Der Erweiterungsbau wurde 1983 eröffnet und im vergangenen Jahr unter Schutz gestellt. Der LWL würdigt damit die architektonische Qualität und die kulturgeschichtliche Bedeutung des Gebäudes. Entworfen wurde es von den dänischen Architekten Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert. Der Bau gilt als Beispiel für die Nachkriegsmoderne im Ruhrgebiet.
Mit seiner offenen und transparenten Gestaltung markiert das Kunstmuseum einen Wendepunkt in der Stadtentwicklung Bochums. Der Erweiterungsbau ergänzt die denkmalgeschützte Villa Marckhoff-Rosenstein und entstand in einer Phase des gesellschaftlichen Umbruchs. Nach der Bergbaukrise gewann die Stadt an Bedeutung als Bildungs- und Kulturstandort. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Ruhr-Universität Bochum, die seit den 1960er-Jahren auch die zeitgenössische Kunst stärkte.
„In den 1970er-Jahren waren die Voraussetzungen für einen Erweiterungsbau der städtischen Kunstgalerie günstig“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Eva Dietrich. Der Museumsneubau sei Ausdruck dieser Entwicklung gewesen.
Kein Tempel, sondern ein offenes Haus
Für den Architektenwettbewerb formulierte der damalige Museumsdirektor Dr. Peter Spielmann klare Vorgaben. Das Museum sollte Transparenz ausstrahlen und bewusst keinen repräsentativen Charakter haben. Statt eines abgeschlossenen Baukörpers war ein offenes Haus mit Werkstattcharakter gefragt. Entsprechend setzte sich ein Entwurf durch, der auf Zugänglichkeit und Offenheit zielte.
„Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich ein stark geschlossener Entwurf nicht durchsetzen konnte“, so Dietrich. Den Zuschlag erhielten schließlich Bo und Wohlert.
Verbindung von Stadtpark und Ausstellungsraum
Die Architekten planten einen gestaffelten Baukörper mit Terrassen und großen Glasflächen. Der Standort gegenüber dem Stadtpark wurde bewusst in das Konzept einbezogen. Sichtachsen und Ausstellungsterrassen erweitern den Museumsraum nach außen. Der Park wird so Teil des musealen Erlebnisses.
Die Fassade besteht aus Tombakplatten, einer Kupfer-Zink-Legierung, die sich im Laufe der Zeit farblich verändern soll. Ziel war es, die Oberfläche optisch an Baumrinde anzugleichen. Für die Belichtung der Ausstellungsräume sorgen pyramidenförmige Oberlichter, die das Tageslicht gleichmäßig streuen.
Museum als öffentlicher Raum
Das Kunstmuseum wurde als niedrigschwelliger Ort für Kunst und Austausch konzipiert. Bereits der Eingangsbereich wirkt offen und einladend. Großformatige Fenster, ein überdachter Durchgang und die Staffelung der Baukörper fördern die Durchlässigkeit zwischen Innenstadt und Stadtpark.
Zentrales Element ist eine große Rampe, die sowohl der barrierearmen Erschließung als auch der Kommunikation dient. Sie eröffnet wechselnde Blickwinkel auf die Kunstwerke. Der Vortragssaal mit variablen Bodenelementen ist für unterschiedliche Nutzungen ausgelegt und richtet sich an ein breites Publikum.
Denkmal für ein demokratisches Museumskonzept
„Das Kunstmuseum Bochum wurde als Ort der Kommunikation und als demokratische Institution gedacht“, sagt Dietrich. Dieses Konzept sei heute wieder von besonderer Aktualität. Der Denkmalschutz unterstütze nun die Bewahrung des architektonischen und inhaltlichen Gesamtansatzes.
Schon während der Planungsphase arbeiteten Künstlerinnen und Künstler eng mit den Architekten zusammen. Ziel war ein Zusammenspiel von Bau und wandfester Kunst. Zu den prägenden Arbeiten zählen eine Plexiglasgestaltung von Terry Haass in der Bibliothek sowie eine Porzellanfliesenwand von Mogens Andersen. Letztere ist nur teilweise sichtbar, da sie bereits vor dem Bau der zentralen Rampe installiert wurde. Weitere Kunstwerke sind fest in die Architektur integriert. Das Kunstmuseum Bochum entstand so als Gesamtkunstwerk.
