
Wortgewaltig und sehr nahbar: Tobi Katze auf seiner Lesung im LWL-Universitätsklinikum Bochum.
Bild: LWL/Rosa Sommer
Anlässlich des einjährigen Bestehens des Bücher-Cafés hat das LWL-Universitätsklinikum Bochum zu einer Lesung eingeladen. Gast war der Wahl-Bochumer Autor und Poetry-Slammer Tobi Katze. In seinem Buch setzt er sich offen mit seiner Depression auseinander. Die Lesung verband persönliche Erfahrungen mit Beobachtungen aus dem Alltag. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich berührt.
Tobi Katze ist Autor, Slam-Poet und lebt in Bochum. In seinem Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag. Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet“ beschreibt er eine psychische Erkrankung, die von außen nicht sichtbar ist. Depression, so machte er deutlich, bedeute nicht dauerhaft traurig zu sein. Sie spiele sich vor allem im Inneren ab und werfe viele Fragen auf – auch im Umgang mit Angehörigen.
Eine Stunde lang las Katze vor vollem Saal. Mit ruhigem Ton, präziser Sprache und leisen Pointen schilderte er Alltagssituationen und Therapierfahrungen. Dabei ging es um Routinen wie Duschen, um Therapiegespräche im Gewächshaus oder um das Kochen im Bett. Auch familiäre Szenen fanden Raum, etwa das Gespräch mit den eigenen Eltern.
Publikum reagiert persönlich
Die Lesung stieß auf eine spürbare Resonanz. Viele Gäste bezogen die Texte auf eigene Erfahrungen. „Ich konnte mir vorher kaum vorstellen, wie sich so eine psychische Erkrankung anfühlt“, sagte ein junger Besucher. Eine andere Zuhörerin berichtete von einer depressiven Erkrankung in ihrer Familie. Sie wolle Verständnis zeigen, ohne falsche Fragen zu stellen. Eine Betroffene schilderte, dass sie besonders der Abschnitt über das Elterngespräch bewegt habe.
Die Veranstaltung fand im Bücher-Café des LWL-Universitätsklinikums statt, das seit einem Jahr besteht. Das Café versteht sich als offener Treffpunkt für Patientinnen, Patienten, Mitarbeitende und Gäste. Möglich wurde das Angebot durch eine private Spende. Der Bestand umfasst inzwischen 390 Bücher aus unterschiedlichen Genres, darunter Romane, Sachbücher, Krimis, fremdsprachige Titel und Manga.
Die Ausleihe ist kostenlos und für 14 Tage möglich. Neben dem Lesen bietet das Café Raum für Gespräche oder stille Begegnungen. Betrieben wird es von einem Team aus Mitarbeitenden und Patientinnen und Patienten.
Öffnungszeiten des Bücher-Cafés
Das Bücher-Café ist regelmäßig geöffnet:
Montag von 14 bis 16 Uhr,
Donnerstag von 14 bis 16 Uhr,
Freitag von 15 bis 16 Uhr.
